traumatischer Verlust und Rache

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
leopol Avatar

Von

Sophie Roth flüchtet sich vor ihrem gewalttätigen Partner in einen Bauwagen am Waldrand. Das Ziel: sich endlich zu befreien und mit ihrer Leidenschaft Fotografie endlich Geld zu verdienen. Und tatsächlich es kommt zu einem Fotoauftrag bei einer angesehenen Familie der Gegend, der ordentlich bezahlt wird. Doch beim Entwickeln der Fotos entdeckt sie ein Gesicht auf den Aufnahmen, dass sie an eine schreckliche Nacht in ihrer Vergangenheit erinnert.

Schon die Einstiegskapitel vermitteln dem Leser ein beklemmendes Gefühl: Sophie schleicht sich aus dem Haus, um ihren gewalttätigen Mann zu verlassen. Und dieses beklemmende Gefühl blieb mit leichtem Abklingen an manchen Stellen für mich dauerhaft präsent. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Sophie fühlt sich verfolgt, erkennt sie doch Spuren im Gras und auch die Familie, die sie fotografieren soll, scheint reserviert.

Die Autorin präsentiert die Geschichte in recht kurzen Kapiteln. Gegenwartsschilderungen wechseln sich mit Kapiteln aus der Vergangenheit ab – gut unterscheidbar durch die jeweiligen Kapitelüberschriften. Ab und an wird auch noch ein Kapitel in kursiver Schrift eingeworfen, welches die Gedanken einer unbekannten Person wiedergibt. Diese Kapitel sind nicht gerade positiv und tragen weiter zur beklemmenden Atmosphäre, aber auch zum Rätseln bei.

Sophie erscheint zu Beginn etwas naiv, scheint doch die Flucht von ihrem gewalttätigen Partner etwas ungeplant im Gesamten. Sie hat zwar diesen Bauwagen entdeckt, ist aber bis auf etwas Geschirr nicht ausgerüstet. Natürlich mag aber so manche Flucht spontan sein, und es mag schwer sein Hilfe anzunehmen. Hier denke ich, dass es vor allem mit ihrer Geschichte erklärbar ist: ein Mann der dauernd sagt, dass sie nichts zu Ende denkt. Panikattacken dadurch und durch ihre traumatische Familiengeschichte: Mord und traumatischer Verlust und Rache Verschwinden vor zwanzig Jahren.

Als Leser rätselt man konstant mit und bekommt so manche falsche Fährte präsentiert. Man stellt Theorien auf und verwirft sie wieder. Gegen Ende ist das Tempo hoch, fast etwas überstürzt, aber lesenswert. Ein paar kleine Fragen blieben bei mir offen.

Trotz der kleinen Schwächen kann ich das Buch wirklich empfehlen. Auch weil es zeigt, was Anna Schneider außerhalb der Grenzfallreihe auch gute Einzelwerke zu Stande bringt.