Wenn die Vergangenheit dich nicht loslässt …

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antjep78 Avatar

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Anna Schneider kannte ich bisher vor allem durch ihre „Grenzfall“-Reihe. Umso neugieriger war ich auf „Blut für Blut“, denn dieses Mal erwartet uns kein klassischer Kriminalroman, sondern ein psychologischer Pageturner, in dessen Mittelpunkt Familie, Schuld und Rache stehen.
Sophie Roth versucht gerade, ihr Leben neu zu ordnen. Sie hat sich aus einer manipulativen und gewalttätigen Beziehung gelöst und lebt zurückgezogen in einem alten Bauwagen. Als Fotografin bekommt sie schließlich einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie soll die wohlhabende Familie Grafinger auf deren abgelegenem Anwesen porträtieren. Die Bedingungen sind speziell. Analoge Fotografie, absolute Verschwiegenheit und keine weiteren Personen beim Shooting.
Doch schon bald merkt Sophie, dass innerhalb dieser Familie etwas nicht stimmt. Und als sie auf ihren Aufnahmen etwas entdeckt, das sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, wird aus dem beruflichen Auftrag etwas sehr Persönliches.
Besonders gut gefallen hat mir Sophie als Protagonistin. Durch die personale Erzählweise bleibt man sehr nah bei ihr und ihren Gedanken und Ängsten. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und habe mit ihr mitgefiebert. Gerade weil sie einiges hinter sich hat und trotzdem versucht, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, wollte ich unbedingt wissen, wohin ihre Geschichte führt.
Spannend fand ich außerdem den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Immer wieder gibt es Rückblicke auf die Ereignisse vor zwanzig Jahren. Dabei erfährt man nie sofort alles, sondern bekommt nach und nach weitere Puzzleteile. Gerade diese Kapitel haben mich sehr neugierig gemacht. Was ist damals wirklich passiert? Wie hängt das alles mit Sophies Gegenwart zusammen? Und vor allem beschäftigte mich irgendwann eine ganz bestimmte Frage: Was ist aus ihrem Bruder geworden?
Hier liegt für mich allerdings auch ein kleiner Kritikpunkt. Die Rückblicke haben bei mir ziemlich hohe Erwartungen geweckt und ich hatte das Gefühl, dass sich dahinter noch mehr verbergen könnte. Deshalb hätte ich mir von diesem Teil der Geschichte letztlich etwas mehr versprochen.
Anna Schneider schreibt dabei sehr klar und angenehm. Besonders in spannenden Situationen arbeitet sie mit kurzen Sätzen, wodurch das Tempo spürbar anzieht. Dazu kommen Sophies Gedanken und ihre körperlichen Reaktionen auf Angst und Unsicherheit. Dadurch erlebt man ihre Anspannung unmittelbar mit. Auch kleine Geräusche, Gerüche und andere Sinneseindrücke tragen immer wieder zur Atmosphäre bei.
Die vielen kurzen Kapitel haben bei mir zusätzlich dafür gesorgt, dass ich schnell durch die Geschichte gekommen bin. Vor allem wollte ich aber endlich verstehen, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind. Einige Vermutungen hatte ich natürlich während des Lesens, mit der tatsächlichen Auflösung habe ich in dieser Form jedoch nicht gerechnet.
Auch wenn mir die Rückblicke letztlich etwas mehr versprochen haben, als sie für mich einlösen konnten, hat mich die Geschichte gut unterhalten. Vor allem Sophie und die Frage, wie all die einzelnen Puzzleteile zusammengehören, haben mich weiterlesen lassen und die Auflösung konnte mich schließlich doch noch überraschen.