Mein Leseeindruck

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krimischwester Avatar

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Da mir bereits der erste Band mit Kate Burkholder (Zahlen des Todes) sehr gut gefallen hat, wollte ich nun auch unbedingt mehr wissen. Mein Interesse galt hierbei besonders den Amischen, deren Leben mich irgendwie fasziniert. Sie leben zurückgezogen in ihrer Gemeinschaft, ohne Strom oder sonstigem modernen Schnickschnack.


In diesem zweiten Band bleiben wir in Painters Mill, einer Kleinstadt im ländlichen Ohio. Hier gehören etwa ein Drittel der Einwohner der Amisch-Gemeinde an. Wie wir aus dem Vorgängerband wissen, gehörte auch Kate dieser Glaubensgemeinschaft an.

[Achtung Spoiler]


Während seiner Nachtschicht stürzt sich ein Mann vor Skids Polizeiwagen. Es ist Ruben Zimmerman, der ist Melken bei der Amischen Familie Plank. Zimmerman berichtet, dass auf dem Hof Tote gibt. Offensichtlich wurden der Familienvater und dessen Kinder erschossen. Das seltsame jedoch ist, dass die Kinder gefesselt waren, nur der Vater nicht. Hatte er seine Söhne umgebracht und dann sich? Kate entdeckt im Hof und in der Scheune noch weitere tote Familienmitglieder. Die Mutter samt Baby.... erschossen. Und zwei Töchter, nackt, mit gefesselten Handgelenken an einem Balken hängend und mit Foltermerkmalen. Da nur der Vater nicht gefesselt war, gelangt man zu der Erkenntnis, dass es sich wohl um einen Mord-Selbstmord handeln würde. Kate ist jedoch nicht gänzlich von der Theorie überzeugt und entdeckt, dass die Handfessel des Jungen ein Lautsprecherkabel ist. Aber so etwas bei den Amisch? Unvorstellbar! Bei ihrer weiteren Suche findet sie heraus, dass der Vater ebenfalls gefesselt war und man die Fesseln wohl wieder entfernt hat um ihm die Schuld zu geben. Wer war für diese schrecklichen Morde verantwortlich?



Wie man es vom Vorgängerband schon kennt, zögert die Autorin, Linda Castillo, nicht lange, sondern schickt den Leser direkt auf eine Reise. Eine Reise in das Land der Amisch, in der noch "Ordnung" herrscht. Schnörkellose werden durch die geschriebenen Worten Bilder projeziert, die einem Glauben machen, direkt neben dem Geschehen zu stehen und alles ganz genau verfolgen zu können. Der Leser wird sozusagen selbst zum Ermittler.


Sehr gekonnt werden die Kapitel zu Cliffhanger gestaltet, so dass man unbedingt weiter lesen muss. Schließlich möchte man selbst, dass der Täter seine gerechte Strafen erhält.



Geschickt wird auch Kates Privatleben in die Geschichte eingeflochten. Ihre Fragen ob sie damals richtig gehandelt hat bezieht sich nicht nur auf den Ausstiegs bei den Amischen sondern auch auf die Abtreibung. Starke Unterstützung erhält sie jedoch von John Tomasetti. Auch in dieser Beziehung ist Kates zurückhaltende Art sehr gut dargestellt.



Interessant fand ich die Bemerkung, dass es wohl unter den Amischen sehr häufig zu einer Sprachbehinderung kommt. Ein rollendes R und kein D aussprechen zu können, deutet auf eine mentale Retardierung hin. Die Ursache liegt wohl im beschränkten Genpool. Amisch heiratet Amisch.



Schon öfter habe ich davon gelesen, dass die Sprache der Amisch - Pennsylvaniadeutsch - noch sehr deutsch bzw. niederländisch ist. Einige Dialekte finden sich in der Sprache wieder. So z.B. "alleweil". das gerne im schwäbisch-badischen Raum benutzt wird. Oder auch "rumspringa", ebenfalls im schwäbisch-badischen Raum zu finden und bedeutet dort hüpfen, hin und her hüpfen oder laufen.



Mit einem Zitat von Benjamin Franklin möchte ich meine Rezension schließen:

"Drei können ein Geheimnis bewahren, wenn zwei von ihnen tot sind."