kompromissloser Thriller voller Abgründe

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emmamarie Avatar

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Blutwild von Saskia te Marveld ist ein düsterer, kompromissloser Thriller, der sich tief in die Psyche seiner Hauptfigur eingräbt. Im Mittelpunkt steht Anka, eine ehemalige Polizistin, die nach traumatischer Gefangenschaft versucht, ihr Leben neu zu ordnen. Als sie erneut mit Spuren ihres Peinigers konfrontiert wird, reißt das alte Wunden auf und zwingt sie, sich ihrer größten Angst zu stellen.

Schon das Cover passt hervorragend zur Geschichte: kühl, bedrohlich und atmosphärisch, ohne zu viel vorwegzunehmen. Es signalisiert klar, dass hier kein leichter Krimi, sondern ein harter Psychothriller wartet. Auch die Gestaltung insgesamt unterstützt die düstere Grundstimmung des Romans.

Thematisch bewegt sich das Buch in sehr dunklen Gefilden. Gewalt, Trauma und Kontrollverlust stehen im Zentrum, werden aber nicht effekthascherisch, sondern konsequent aus der Perspektive einer Betroffenen erzählt. Die Geschichte lebt weniger von klassischen Ermittlungsstrukturen als von der inneren Zerrissenheit der Protagonistin. Das kann stellenweise fordernd sein, funktioniert aber gut, weil es Ankas Angst und Misstrauen spürbar macht.

Der Schreibstil ist direkt, schnörkellos und oft sehr bildhaft. Manche Szenen sind schwer zu ertragen, was offensichtlich beabsichtigt ist. Gelegentlich hätte ich mir etwas mehr Zurückhaltung gewünscht, da die permanente Intensität kaum Atempausen lässt. Dennoch passt diese Härte zur Geschichte.

Besonders gelungen sind die Figuren: Anka wirkt authentisch, gebrochen und zugleich kämpferisch. Ihre Reaktionen sind nachvollziehbar und psychologisch glaubwürdig. Auch die Nebenfiguren bleiben nicht bloße Statisten.

Blutwild ist kein Thriller für zwischendurch, sondern ein Buch, das fordert und nachwirkt. Wer düstere Stoffe, psychologische Spannung und starke, verletzliche Figuren schätzt, wird hier fündig. Trotz kleiner Schwächen überzeugt der Roman durch Konsequenz und Atmosphäre. Eine klare Empfehlung für Leser*innen mit starken Nerven.