Düstere Atmosphäre

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
v.kuhlmann_1808 Avatar

Von

Böser, böser Wolf entfaltet von der ersten Seite an eine beklemmende, düstere Atmosphäre, die einen sofort in ihren Bann zieht. Die Idee, Grimms Märchen als Vorlage für grausame Serienmorde zu nutzen, ist nicht nur originell, sondern auch wirkungsvoll umgesetzt: Das Vertraute der Märchenwelt kippt ins Verstörende und sorgt für einen konstanten Gänsehautfaktor.
Besonders fesselnd ist das Zusammenspiel der beiden Erzählstränge. Auf der einen Seite steht Katie, die entführte Autorin, deren Ohnmacht und psychischer Druck spürbar geschildert werden. Ihre verzweifelten Versuche, durch ihre Texte Hinweise zu hinterlassen, verleihen der Geschichte eine zusätzliche, raffinierte Spannungsebene. Auf der anderen Seite folgt man Detective Inspector Lyla Rondell, deren Ermittlungen zunehmend persönlicher werden. Dass sie selbst erkennt, möglicherweise nur eine Figur in einem größeren Plan zu sein, verleiht dem Thriller eine beinahe meta-hafte Tiefe.
Alexandra Benedict versteht es, das Tempo hochzuhalten und die Grausamkeit der Taten mit psychologischer Spannung zu verbinden, ohne ins reine Schockhafte abzurutschen. Die Märchenmotive sind klar erkennbar, wirken aber modern und unheimlich verfremdet. Nach den ersten Kapiteln bleibt vor allem ein Gefühl: Der „böse Wolf“ ist allgegenwärtig, und man liest atemlos weiter, um herauszufinden, wer hier wirklich die Fäden zieht – und wer am Ende überlebt.