Kombination aus moderner Krimihandlung und subtiler Märchenverfremdung
Böser, böser Wolf beginnt als klassischer Thriller mit einem sehr atmosphärischen, fast schon unheimlichen Einstieg, in dem eine junge Frau im Wald verschwindet und bald ein blutverschmierter Schuh und ein Rotkäppchen Umhang gefunden werden – sofort spürt man die Grimmschen Märchenelemente, die hier in ein modernes Verbrechen überführt werden. Die Ermittlerin Lyla Rondell wird früh eingeführt als engagierte, erfahrene Polizistin, deren eigener Bezug zu den Fällen eine zusätzliche emotionale Spannungsebene erzeugt. Schon in den ersten Kapiteln fällt auf, wie Benedict klassische Märchenmotive in ein psychopathologisches Katz und Maus Spiel verwandelt, was den Einstieg sehr spannend und unvorhersehbar macht. Die Sprache ist klar und lebendig, mit einem Rhythmus, der eher auf Tempo und Nervenkitzel als auf ruhige Charakterstudien setzt. Man fragt sich beim Weiterlesen schnell, wie viel die Autorin aus bekannten Märchen Stereotypen herauslösen und in etwas wirklich Eigenes verwandeln kann.