Spannung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
nadisa0603 Avatar

Von

Der Text vermittelt sofort eine düstere, klaustrophobische Spannung, die aus zwei Perspektiven aufgebaut wird – der entführten Autorin Katie und der ermittelnden Detective Lyla Rondell. Die Grundidee, dass ein Serienmörder Grimm’sche Märchen als tödliches Drehbuch missbraucht und seine Opfer wie Figuren aus den Geschichten inszeniert, wirkt gleichermaßen verstörend wie kreativ. Schon auf den ersten Blick entsteht das Gefühl, dass man sich in einem Thriller bewegt, in dem Realität und Fiktion immer stärker ineinandergreifen.
Die Situation von Katie ist besonders eindringlich: Gefangen, überwacht und gezwungen zu schreiben, wird sie praktisch zur Mitautorin ihrer eigenen Folter. Dass der Wolf ihre Geschichten in reale Morde verwandelt, erzeugt eine perfide Dynamik, die psychologische Tiefe und Nervenkitzel verspricht. Gleichzeitig funktioniert Katies Versuch, versteckte Botschaften für die Polizei in ihre Texte einzubauen, als spannender literarischer Kniff.
Parallel dazu entfaltet Lylas Ermittlungsstrang eine zusätzliche Ebene, die weit über typische Serienmörderfälle hinausgeht. Die bizarr inszenierten Märchenmorde – von „Cinderella“ bis „Hänsel und Gretel“ – sorgen für eine beklemmende Märchenhorror-Atmosphäre. Als Lyla erkennt, dass die Fälle mit dem Verschwinden ihrer besten Freundin vor Jahrzehnten zusammenhängen, kippt der Thriller zunehmend in eine psychologisch-meta Ebene, in der sie selbst zur Spielfigur wird. Dieser Moment verleiht der Story einen unheimlich selbstreflexiven Touch, der das Genre geschickt bricht.
Insgesamt entsteht der Eindruck eines ausgeklügelten, düster-verspielten Thrillers, der mit literarischen Motiven arbeitet, starke Frauenfiguren ins Zentrum stellt und seine Spannung weniger aus Schockeffekten als aus der ständigen Unsicherheit zieht, wer die eigentliche Geschichte kontrolliert.