Wenn sich Tinte in Blut verwandelt
Wer kennt sie nicht, die alten Märchen der Gebrüder Grimm? Jene Geschichten, die mit süßen Worten beginnen und den Bösewicht am Ende bestrafen. Schon das Cover flüstert von diesem Erbe, ein Rotkäppchen umrankt von Dornenranken, allerdings tropft Blut wie ein warnendes Signal. Ein Thriller, der keinen Zweifel lässt, dass hier kein gutes Ende zu warten ist. Der Satz „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ wird in diesem Buch wohl eine leere Floskel sein. Katie wird entführt und steht vor einer Entscheidung, die schwerer wiegt als ihr eigenes Leben. Um zu überleben, muss sie eine andere Frau dem Tod preisgeben. Ihr Peiniger verbirgt sein Gesicht hinter einer Wolfsmaske, ein gefährliches Wesen zwischen Wahn und Größenfantasien. Er ist eine Gestalt wie aus einem Alptraum, geboren aus den dunklen Winkeln der Seele. Die Leseprobe entfaltet eine beklemmende, fast märchenhafte Atmosphäre. Das Setting wirkt wie ein verwunschener Wald, in dem jeder Schritt tiefer ins Verderben führt. Die Geschichte zieht den Leser unaufhaltsam hinein, lässt kaum Luft zum Atmen und weckt eine unheilvolle Neugier auf das, was hinter der nächsten Seite lauert. Die Figuren erscheinen glaubwürdig und greifbar. Ein Thriller, der alte Märchen neu erzählt, sie entkleidet, verstümmelt und in die Dunkelheit stößt. Die Story entfaltet eine unheimliche Faszination und ich stelle mir erneut die Frage, warum sind Leseproben so kurz?