Metaebene über Metaebene

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buecher.und.baklava Avatar

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„Sie hatte das Mycel angezapft, etwas, das die Kontrolle übernahm und sie in einem uralten, allumfassenden Kontinuum aufgehen ließ, der Traum aller Autorinnen und Autoren. Geschichten sprudelten aus den Tiefen, umgingen die Stirnlappen und ergossen sich aus den Fingern.“

Die Ermittlerin Lyla hat die letzten 25 Jahre damit verbracht, die traumatische Erinnerung an das Verschwinden ihrer besten Freundin Allison zu verarbeiten; heute ist sie als Polizistin tätig und geht voll in ihrer Arbeit auf. Als plötzlich eine Leiche gefunden wird, deren Auffindesituation zahlreiche Parallelen zu Allisons Verschwinden aufweist, wird Lyla zurück in ihre eigene Vergangenheit katapultiert – und mit unzähligen Fragen konfrontiert, die ihre gesamte Existenz betreffen. Währenddessen kämpft die Schriftstellerin K. T. Hexen ums Überleben, denn ein als Wolf verkleideter Mann hält sie gefangen und verlangt von ihr Unbeschreibliches ...

Der Roman beginnt wie ein klassischer Thriller mit Ermittlern, Polizeiarbeit und einem Täter, doch nach etwa der Hälfte kommt es zu einer Wendung, die ich nicht vorhergesehen habe. Ab diesem Moment fließen Elemente aus einigen weiteren Genres ein und es gibt die eine oder andere Metaebene – ich mochte das sehr, habe aber auch mitbekommen, dass es viele Leser*innen wohl sehr gestört oder sogar verärgert hat. Für mich war es in erster Linie spannend, ich habe mich an die Filme von David Lynch erinnert gefühlt und das „Metathema“ des Romans ist eines, das mich aus privater und beruflicher Perspektive interessiert, so dass ich gar nicht mehr aufhören konnte, weiterzulesen.

Was mich etwas gestört hat, war das inkonsistente Gendern: Alle positiven Zuschreibungen wurden gegendert, die negativen jedoch nicht. Auch wies der Text ziemlich viele Fehler auf, die den Lesefluss manchmal störten. Die Sprache ist ansonsten aber insgesamt etwas anspruchsvoller und die Handlung in sich schlüssig, wobei mir das Ende ein bisschen platt vorkam. Gleichzeitig hat es aber perfekt zu der Märchenthematik gepasst und einen sehr sarkastisch-zynischen Abschluss geschaffen (wobei ich nicht sicher bin, wie ich inhaltlich dazu stehe). Da ich nicht zu viel verraten möchte, vergebe ich an dieser Stelle 9/10 Punkten und eine Empfehlung für alle, die komplexe Geschichten, bei denen man aktiv mitdenken muss, mögen und die sich auch nicht von Genrebrüchen abschrecken lassen :)