Selbst die Verwirrung war verwirrt

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lissa342 Avatar

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Am Anfang hatte mich das Buch tatsächlich am Haken. Die Grundidee ist stark: Ein Mann mit Wolfsmaske entführt eine Krimiautorin und zwingt sie, Mordgeschichten im Märchenstil zu schreiben – Geschichten, die er anschließend in die Tat umsetzt.
Düster, originell, verstörend.
Warum dieser Mann seine Anweisungen ausgerechnet in Gedichtform verfasst, während er ansonsten völlig normal mit ihr spricht, bleibt zwar rätselhaft, aber gut – darüber konnte ich noch hinwegsehen. Das war nicht der Punkt, an dem mich das Buch verloren hat.
Ab dem zweiten Teil kippt das Buch jedoch zunehmend ins Chaos. Der Thriller, den man zu Beginn liest, verabschiedet sich schleichend, und an seine Stelle tritt ein wilder Fantasy-Mix aus magischen Zähnen, Zahnfee und diversen übernatürlichen Einfällen. Überraschend? Ja. Passend? Leider nein. Und das sage ich als jemand, der eigentlich aus dem Fantasygenre kommt. Hier wirken diese Elemente nicht wie eine durchdachte Erweiterung, sondern wie ein Fremdkörper, der die Handlung eher stört als vertieft.
Dazu kommt eine extreme Überfrachtung: zu viele Ebenen, zu viele Zeitsprünge, zu viele Perspektiven. Das permanente Hin und Her sorgt weniger für Spannung als für Orientierungslosigkeit. Überschriften oder klare Strukturierungen hätten dringend geholfen, um überhaupt noch zu wissen, wo man sich gerade befindet – in welcher Realität, in welchem Kopf oder in welchem Plotstrang.
Als wäre das alles nicht genug, setzt das Ende noch einen drauf: Cliffhanger reiht sich an Cliffhanger, bis schließlich nichts mehr hängen bleibt. Statt cleverer Ambivalenz bleibt vor allem Ratlosigkeit zurück. Am Ende wusste ich nicht mehr, was real sein sollte – und schlimmer noch: Es war mir fast egal. Ein Buch, das so viel will und dabei so wenig zusammenhält, lässt selbst die Verwirrung irgendwann ratlos zurück.
Fazit: Von mir gibt es noch 3 von 5 Sternen für die anfängliche Spannung und die gute Grundidee, trotzdem bleibe ich enttäuscht.