Spiel mit den Realitäten

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dieunterhoferin Avatar

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Cover:
Das Buchcover gefällt mir sehr gut. Der blutrote Rahmen aus einer roten Rosenranke sowie die Rotkäppchen-Figur auf dem schwarzen Hintergrund verleiht dem Cover etwas düster Märchenhaftes. Der Blutstropfen, der vom Titel herunterläuft, gibt dem Cover zusätzlich eine düstere Note.

Handlung:
Eine junge Frau wird im Wald entführt, übrig bleiben nur ein roter Umhang und ein Korb. Kurz darauf wird Detective Lyla Rondell zu dem Fundort einer Leiche gerufen. Vor Ort finden die Ermittler auch einen goldenen Schuh. Die Taten erinnern Lyla an einen Fall aus ihrer Jugend. Die Presse spricht vom „Grimm-Ripper“, weil die Taten Elemente von Märchen aufweisen. Parallel dazu wacht Krimiautorin Katie in einem abgeschlossenen Dachzimmer, entführt von ein einem Mann mit Maske, der sich „der Wolf“ nennt. Sie soll für ihn Märchen schreiben, in denen die Hauptfiguren sterben. Um nicht selbst das Opfer zu werden, kommt Katie widerstrebend der Aufforderung nach und der Wolf setzt um, was Katie schreibt. Wird Lyla die Hinweise, die Katie einzubauen versucht, erkennen?

Schreibstil & Spannungsaufbau:
Vom Schreibstil her hat mir das Buch grundsätzlich gut gefallen. Es ist flüssig und spannend geschrieben, sodass ich gut in die Geschichte einsteigen konnte. Durch die wechselnden Perspektiven – nämlich einerseits Katies Sicht, andererseits Lylas Sicht, sowie die Katies Märchengeschichten – bleibt das Buch abwechslungsreich und baut die Spannung stückweise auf. Ab ca. der Hälfte des Buchs gibt es aber einen ungewöhnlichen Twist, der mir persönlich weniger zu gesagt hat und mich das Interesse am Buch verlieren hat lassen. Die Geschichte wurde für mich dann recht verwirrend und auch ein wenig nervig, sodass ich das Buch nur sehr langsam fertiggelesen habe.

Charaktere:
In „Böser, böser Wolf“ gibt es eine Vielzahl an Charakteren, die wichtig für die Handlung sind. Besonders im Fokus stehen natürlich Lyla, Katie und „der Wolf“ und auch Allison.
Lyla ist ein interessanter, spannender Charakter mit einer sehr direkten Herangehensweise als Polizistin, die offenbar auch recht zielführend ist. Obwohl sie persönlich involviert ist, darf sie die Ermittlungen weiterleiten und wird nicht von dem Fall abgezogen. Lyla leidet nämlich sehr unter dem Vermisstenfall ihrer Freundin Allison, der in das Muster des aktuellen Falls passt.
Katie ist Krimiautorin und ein Entführungsopfer des Wolfs, der sie zwingt, blutige Märchen für ihn zu verfassen. Aus Angst selbst zum Opfer zu werden, gibt sie seinen Forderungen nach. Katie wird meiner Ansicht nach wie das Klischee einer einsamen Autorin dargestellt. Sie ist selbst nicht besonders verwundert, dass ihr Verschwinden niemandem auffällt.
Vom Wolf weiß man recht lange kaum etwas. Er ist es jedenfalls, der hinter Katies Entführung und den Morden steckt. Auch nimmt er über Kärtchen am Tatort mit Lyla Kontakt auf und spricht sie direkt an. Seine Nachrichten verfasst er gerne in Gedichtform. Schnell wird auch klar, dass er eine Abneigung gegen AutorInnen, vor allem KrimiautorInnen, hat, weil er der Ansicht ist, dass sich AutorInnen nicht im Klaren sind, welche Verantwortung sie haben und welchen Schaden sie mit ihren Texten anrichten können.
Alexandra Benedict hat sich bemüht jedem Charakter sein eigenes Wesen und eigene Stimme zu geben. Die Charaktere sind vielfältig und haben ihre eigenen Wesenszüge und Eigenheiten. Dennoch hat meiner Meinung nach etwas gefehlt und ich konnte keine Figur besonders ins Herz schließen.

Meinung & Fazit:
„Böser, böser Wolf“ war das erste Buch, das ich von der britischen Autorin Alexandra Benedict gelesen habe. Der Schreibstil des Buchs ist zwar gut, aber von der Handlung her konnte mich das Buch nicht überzeugen. Das finde ich einfach sehr schade, gerade weil mir das Buch anhand des Klappentextes und der erste Hälfe doch sehr zugesagt hat. Die Geschichte ist für mich immer verwirrender und – leider auch – nerviger geworden, am Schluss musste mich schon richtig zum Lesen zwingen. Der Twist und das Spiel mit den Realitäten haben mir nicht zugesagt und mir leider die Handlung verdorben.
Die Erwartungen waren groß, wurden aber nicht erfüllt, weil mir der Plot dann zu abstrus geworden ist und mich das Buch mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen hat. Insgesamt hat mich das Buch leider sehr enttäuscht und ich kann es auch nicht empfehlen!