Ich gebe eine Leseempfehlung mit eher 3,5 Sternen!

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wauwuschel Avatar

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Tavi lebt in einem Dorf am Meer als Speerfischerin und als sie eines Tages ein magisches Objekt unerlaubterweise einsammelt, entfesselt sie eine dunkle Macht. Nun ist sie auf der Flucht und der Einzige, der ihr helfen kann, ist Eero, der halb Mensch und halb Mer ist.

““Sehen die Schuppenköpfe für dich nach Geschichten aus? Sie sind für meinen Geschmack ein wenig zu real.” Und doch waren es immer die Menschen, die Tavi mehr fürchtete als die Kreaturen, die das Meer aus seinen Tiefen spuckte.”

Mit 3,5 Sternen ist das hier eher eine Leseempfehlung, wenn auch eine zögerliche. Das Buch hat einige sehr gute Punkte, weshalb ich es durchaus gerne gelesen habe, aber andere Aspekte zerstören das sonst einwandfreie Leseerlebnis. Dabei wurde das Buch wirklich schön gestaltet und die blaue Farbe zieht sich atmosphärisch durch die ganze Geschichte. Die Karte zu Beginn ist auch sehr wichtig, da wir viel auf Reisen sind und es um Orte geht, bei denen wir einordnen können müssen, wo sie liegen und welche Rolle sie spielen, denn die Politik im Hintergrund und der Rassenkampf sind große Themen. Auch der Schreibstil ist angenehm und man kann Tavis Abenteuer gut verfolgen. Nur schade, dass wir keine Kapitel aus Eeros Sichtweise bekommen, denn dadurch bleibt er selbst flach und die Liebesgeschichte kann sich nicht richtig entwickeln, auch wenn man merkt, dass die Autorin ihr Bestes versucht hat. “Born of Salt and Storm” ist nunmal das Debüt der Autorin und dafür ist es gut gelungen.

Dann beginne ich mit etwas Positivem, wozu das Worldbuilding, die Mythologie und zu 70% die Story gehören. Das ganze Thema rund um das Meer, verheerende Stürme, magische Wesen, die verfolgt werden, und eine politische Macht, die die Menschen unterdrückt, war spannend und aufregend. Schließlich nimmt man das Buch nur in die Hand, wenn man genau das lesen möchte und es ist von vorne bis hinten gelungen. Man spürt richtig, wie viele Gedanken sich die Autorin beim Schreiben und Erschaffen gemacht hat, weil besonders in der Vergangenheit des Reiches mit ihren Mythen und Geschichten viel Liebe steckt. Ereignisse werden anders beschrieben, je nachdem wen bzw. welche Gruppe man fragt, sodass man als Leser mitfiebert und die Geschichte teilweise unvorhersehbar bleibt. meerjungfrauen-ähnliche Wesen, Mischwesen und Gottheiten haben eine große Bedeutung, wodurch das Setting brilliert. Ich habe regelrecht das schmutzige Meerwasser, die trockenen Berge und den Schiff-Wind am eigenen Körper gespürt und das war das Beste an dem Auftakt einer Trilogie.

Auch der Plot überzeugt zu einem großen Teil, nur in der Mitte wird es langatmig und man muss sich quasi zwingen, weiter am Ball zu bleiben, was sich letzten Endes lohnt, aber schade ist. Denn der Übergang von Tavis Dorfleben zum Versteck von Eeros Freunden hat sich gezogen wie Kaugummi und dafür geht fast ein ganzer Stern flöten. Doch der brutale Anfang, wo Tavi und Eero aufeinandertreffen und der magische Stein, den sie verbotenerweise mit sich nimmt, Katastrophen auslöst, war spannend und hat sich als Einleitung in die neue Welt gut angeboten. Zugegebenermaßen wird sich auch hier Zeit genommen, sodass Tavi erst nach vielen Seiten flieht, aber es lohnt sich. Besonders beeindruckt hat mich das Finale des Buches, wo die Autorin nochmal alles gezeigt hat: Action, Intrigen, Kämpfe, Emotionen und Spannung. Es ist die perfekte Vorlage für den zweiten Band der Reihe und ich muss gestehen, dass ich nur deswegen den zweiten Band lesen werde.

Und nun kommen wir zu meinem einzigen großen Kritikpunkt und das sind die Charaktere. Tavi ist eine unreife Frau, die von Problem zu Problem springt und das meistens selbst verursacht. Sie legt eine kleine Entwicklung hin, was mir Hoffnung für die Zukunft gibt, und teilweise überzeugt mich ihr starker Wille, aber ansonsten bleibt sie flach und durchsichtig. Viele Fragen bleiben bis zum Ende offen, was ein wenig stört, aber vermutlich normal ist. Eero war noch undurchsichtiger und eine Person, die gar keinen Charakter hat. Natürlich hasst er sie aus Prinzip, schließlich ermorden sich die Volksgruppen einander, was auch verständlich ist, aber von jetzt auf gleich ist das vorbei und wir haben einen aus dem Nichts verfallenen Love-Interest. Vielleicht bin ich verwöhnt, weil ich sonst Bücher aus mindestens zwei Perspektiven lese, aber seine Motive und Gedankengänge kamen gar nicht bei mir an und ich habe nichts verstanden. Erst grüblerisch, dann stoisch, anschließend sanft und zuvorkommend. Naja, hier ergibt sich viel Potenzial in den Folgebändern.

Außerdem haben wir auch die anderen Nebencharaktere nur am Rande erwähnt und sie bleiben blass, da sich auf Tavis Konflikt konzentriert wird. Einige Personen, wie Tavis Kindheitsfreund oder der Freibeuter, haben Spannung hinein gebracht, aber ansonsten war tote Hose. Teilweise war es vorhersehbar, wenn Tavi plötzlich die stärkste Kriegerin der Halb-Mer aus Zufall besiegte, aber ansonsten hat das Lesen Spaß gemacht. Nochmal hervorheben möchte ich die Kapitel, wo Tavi und Eero eine Zeit lang in seiner Heimat bei den anderen Wellengeborenen leben, denn hier wurde es richtig faszinierend und Sagen sowie Legenden wurden lebendig. Des weiteren kommt wegen der undurchsichtigen Wellengeborenen der entscheidende Funke Spannung hinzu, der mich komplett vereinnahmt hat. Abgerundet hat das die Magie, die überraschenderweise einen größeren Stellenwert einnahm als gedacht.

Insgesamt kann ich das Buch weiterempfehlen, wer eine Portion Geduld mit den Charakteren und Spaß an Meeres-Themen mitbringt!