Wellen aus Magie

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
melwot Avatar

Von

In einer rauen Küstenwelt schlägt sich die Speerfischerin Tavi als Strandgut-Händlerin durch, bis ein mystisches Seeglas gefährliche Mächte entfesselt. Hilfe sucht sie ausgerechnet bei Eero, einem Nachfahren des verhassten Mervolks. Gemeinsam folgen sie einer vergessenen Legende und entdecken eine Kraft, die furchteinflößender ist als jeder Sturm.

Die Geschichte besticht vor allem durch ihr atmosphärisches Worldbuilding. Die Welt ist so lebendig gestaltet, dass man das Salz auf der Haut fast spüren kann. Trotz eines anfangs einschüchternden Glossars findet man sich dank der fesselnden Erzählweise schnell zurecht. Tavi selbst ist eine unkonventionelle, mutige Heldin, zu der ich aufgrund ihrer emotionalen Distanz jedoch erst spät eine Verbindung aufbauen konnte. Oft wirkte sie schwer greifbar, da sie ihre Gefühle erst zuließ, als der Moment fast schon verstrichen war.

Eero hingegen überzeugte mich sofort. Die langsame Annäherung zwischen ihm und Tavi ist ein klassischer Slow Burn, der das Thema Toleranz und den Abbau von Vorurteilen wunderbar einfängt. Auch die Nebencharaktere sind erstaunlich facettenreich gezeichnet. Der Schreibstil bleibt dabei direkt und flüssig, wobei kleinere Abschweifungen durch geschickte Twists schnell wieder eingefangen werden. Anders als in vielen ersten Bänden wird man hier sofort in ein temporeiches Abenteuer geworfen, das den Leser wie eine stürmische See packt und mit allen Sinnen miterleben lässt.