Wenn Bücher Wurzeln schlagen dürfen

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Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich es erwartet hätte. Auf den ersten Blick wirkt Botanic Hearts wie ein klassischer Wohlfühlroman, doch zwischen Pflanzen, Bücherregalen und provisorischen Lösungen steckt deutlich mehr Tiefe, als man zunächst vermutet.

Im Mittelpunkt steht Tansy, alleinerziehende Mutter und Leiterin einer öffentlichen Bibliothek, deren Leben durch einen Hurricane komplett aus den Fugen gerät. Nicht nur ihr Zuhause ist betroffen, sondern auch der Ort, für den sie brennt und den sie als Herzstück der Gemeinschaft versteht. Die Übergangslösung, die Bibliothek für mehrere Monate in einen botanischen Garten zu verlegen, bringt sie ausgerechnet mit Jack zusammen, der dort bald eine leitende Position übernehmen soll. Ihre erste Begegnung ist geprägt von Reibung, Missverständnissen und spürbarer Spannung, was die Ausgangslage sehr authentisch wirken lässt.

Besonders gefallen hat mir das Setting. Die Idee, Bücher zwischen Pflanzen, Gewächshäusern und Blumen unterzubringen, ist nicht nur originell, sondern auch atmosphärisch wunderschön umgesetzt. Man spürt förmlich die Ruhe, aber auch die Unsicherheit, die dieser Ort für beide mit sich bringt. Der Roman vermittelt ganz nebenbei, wie wichtig öffentliche Räume wie Bibliotheken oder Gärten für Gemeinschaft, Austausch und Heilung sein können, ohne dabei belehrend zu wirken.

Tansy ist eine starke, glaubwürdige Protagonistin. Ihre Verantwortung gegenüber ihrer Tochter, ihrem Team und den Menschen, die auf die Bibliothek angewiesen sind, verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Auch Briar fügt sich organisch in die Handlung ein und gibt ihr zusätzliche Wärme. Jack wiederum bleibt lange eher verschlossen, entwickelt aber nach und nach Konturen, was gut zur ruhigen, langsamen Annäherung zwischen den beiden passt.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und sehr bildhaft, auch wenn er für mich nicht durchgehend herausragend war. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ruhig und bewusst ohne große Dramen. An manchen Stellen hätte ich mir dennoch etwas mehr emotionale Zuspitzung oder Tempo gewünscht, da sich einige Passagen leicht gezogen haben.

Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Botanic Hearts ist ein warmherziger, ruhiger Roman über Neuanfänge, Zusammenhalt und die Kraft von Orten, die Menschen verbinden. Kein Buch für große Spannung, aber eines, das sich wie ein sicherer, grüner Rückzugsort anfühlt. Von mir gibt es dafür sehr gute vier Sterne.