Sprachgewaltig

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chomaky95 Avatar

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Die Botanik des Wahnsinns ist eines dieser Bücher, bei denen ich mir am Ende eingestehen musste, dass mir die Thematik persönlich eher fremd geblieben ist. Inhaltlich bewegt sich das Buch in einem Bereich, zu dem ich keinen richtigen Zugang gefunden habe. Viele der Gedanken, historischen Bezüge und fachlichen Ausführungen waren interessant gemeint, haben bei mir aber nicht dauerhaftes Interesse geweckt oder ein echtes „Aha“-Gefühl ausgelöst.

Trotzdem habe ich das Buch nicht ungern gelesen – und das liegt ganz klar am Schreibstil. Sprachlich ist das Werk wirklich stark. Der Autor schreibt sehr bildhaft, ruhig und stellenweise fast poetisch. Selbst Passagen, die mich inhaltlich nicht komplett abgeholt haben, waren angenehm zu lesen, weil die Sprache so sorgfältig und atmosphärisch ist. Man merkt, dass hier viel Wert auf Formulierungen, Bilder und Rhythmus gelegt wurde.

Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass ich das Buch eher wegen seines Tons und seiner Sprache weiterlesen wollte als wegen des eigentlichen Inhalts. Die Gedanken fließen, die Bilder bleiben hängen, auch wenn ich nicht allem folgen oder mich mit allem identifizieren konnte. Das hat das Lesen insgesamt deutlich aufgewertet.

Unterm Strich ist Die Botanik des Wahnsinns für mich kein Buch, das mich thematisch nachhaltig beschäftigt hat, wohl aber eines, das mich sprachlich beeindruckt hat. Wer sich für das Thema interessiert, wird hier sicher viel entdecken. Wer eher wie ich davorsteht, kann das Buch trotzdem wegen seines literarischen Stils und der besonderen Sprache schätzen.