Leise erzählt, aber mit viel Gefühl
Brombeerblaue Tage ist für mich kein Buch, das von der ersten Seite an mit großer Spannung arbeitet. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte ganz ruhig und genau das hat irgendwann seinen Reiz ausgemacht. Man begleitet Elisa zurück nach Rügen, in das heruntergekommene Gutshaus ihres Vaters, mit dem sie seit Jahren kaum noch Kontakt hatte. Zwischen verwilderten Gärten, alten Erinnerungen und diesem langsamen Inselleben entsteht nach und nach eine sehr besondere Stimmung.
Besonders mochte ich, wie unaufgeregt vieles erzählt wird. Elisa räumt das Haus auf, entdeckt die überwucherten Gewächshäuser und beschäftigt sich immer mehr mit Pflanzen und dem Garten ihres Vaters. Dabei passiert eigentlich gar nichts Spektakuläres und trotzdem wollte ich weiterlesen, weil sich die Geschichte angenehm ruhig entfaltet. Gerade diese kleinen Szenen haben das Buch für mich irgendwie greifbar gemacht.
Auch die Entwicklung zwischen Elisa und ihrem Vater fand ich schön beschrieben. Nicht überdramatisch, sondern eher vorsichtig und realistisch. Man merkt, wie viel zwischen den beiden unausgesprochen geblieben ist und wie sie sich langsam wieder annähern.
Der Schreibstil ist sehr detailreich, vor allem wenn es um die Natur und Pflanzenwelt geht. Manchmal war mir das schon fast etwas zu ausführlich, gleichzeitig passt es aber total zur Atmosphäre des Buches. Rügen wirkt dadurch richtig lebendig und dieses Entschleunigte zieht sich durch die ganze Geschichte.
Insgesamt ist Brombeerblaue Tage ein ruhiger, gefühlvoller Roman, der eher von Stimmung und zwischenmenschlichen Themen lebt als von großer Handlung. Kein Buch für alle, die durchgehend Spannung erwarten, aber für mich hatte es etwas Warmes und Beruhigendes, das hängen geblieben ist.