Neuanfang auf Rügen

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martinchen Avatar

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„Was wir finden, wenn wir loslassen“ ist der Rücktitel überschrieben. Elisa ist Landschaftsarchitektin und arbeitet in Berlin. Schon allein dies ist für mich fast ein Widerspruch in sich, denn es gibt bestenfalls Hinterhöfe zu begrünen, vielleicht noch ein Garten für ein Einfamilienhaus oder eine Villa, die dann dazu kinderfreundlich zu gestalten sind. Elisa hetzt von einem Termin zum nächsten, erfüllt sämtliche Änderungswünsche und kommt kaum zum Durchatmen. Als ihr Vater sie bittet, für einige Tage sein Haus auf Rügen zu hüten, weil er ins Krankenhaus muss, willigt sie widerstrebend ein: „Nein“ ist für sie ein Fremdwort.
Das sogenannte Gutshaus entpuppt sich als Sanierungsfall ohne fließend Wasser, der Garten ist völlig verwildert und das für sie so wichtige Internet gibt es nur im Freien. Hinzu kommt, dass ihr Vater viel kränker ist, als er Elisa glauben machen wollte.

Simone Veenstra hat einen wunderbaren Roman geschrieben, genau die richtige Sommerlektüre. Ihre Protagonistin Elisa ist sehr lebendig und authentisch beschrieben. Es gibt Stellen im Roman, wo ich sie am liebsten schütteln würde, denn sie lässt alles mit sich machen und zieht über lange Zeit keine Grenzen. Auf Rügen, auf sich zurückgeworfen, beginnt sie, über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Und sie widmet sich dem verwilderten Garten, findet dabei ihre Liebe zu den Pflanzen wieder und macht eine erstaunliche Entdeckung.

Das Cover ist nicht nur optisch, sondern auch haptisch liebevoll gestaltet, wie auch das Buch selbst. Zwischen den Kapiteln finden sich ausführliche Pflanzen-Steckbriefe, die passend zum Inhalt ausgewählt wurden.

Fazit: ein sehr lesenswerter Sommerroman