Angenehme Erzählweise

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therealmike Avatar

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Dieser Auftakt hat mich mit seiner ruhigen, fast liebevollen Erzählweise sofort für sich eingenommen. Wie die Autorin Cal Jenkins über sein verkürztes Bein und die Erfahrung, dienstuntauglich zu sein, einführt, vermittelt von Anfang an ein feines Gespür für die stille Scham und das Ringen um Selbstwert eines Mannes, der in einer Zeit lebt, in der Männlichkeit vor allem über Kriegsdienst definiert wird. Auch die Geschichte um die Stadt Bonhomie selbst, ihre Entstehung, ihre Viertel, ihre Industrie, ist mit einer erstaunlichen historischen Genauigkeit und Zärtlichkeit geschildert, fast wie ein eigener Charakter im Roman.

Die Begegnung zwischen Cal und Margaret Salt am Tag der deutschen Kapitulation hat mich überrascht, dieser flüchtige, intensive Moment zwischen zwei Fremden, der so viel über Sehnsucht und Kriegsmüdigkeit erzählt, ohne ihn zu sehr auszuwalzen. Noch mehr hat mich aber die Beziehung zwischen Cal und Becky berührt, ihre Eigenwilligkeit, ihre Gespräche über Zeit und Erinnerung, der Brief an ihr sechzigjähriges Selbst, das hat eine berührende Zärtlichkeit, die selten so unaufgeregt eingefangen wird.

Auch Cals Vater Everett, mit seinem zwanghaften Sammeln und seiner verletzten, sturen Liebe, ist eine großartig gezeichnete Nebenfigur, die dem Roman eine zusätzliche emotionale Tiefe gibt. Was mir auffällt, ist die enorme Fülle an Figuren und Zeitsprüngen bereits auf diesen ersten Seiten, was Geduld erfordert, sich aber durch die warmherzige, genaue Beobachtungsgabe der Autorin auch auszahlt. Ich bin gespannt, wie sich Cals und Beckys Leben über die Kriegsjahre hinweg weiterentwickeln und wie die vielen angedeuteten Fäden im weiteren Verlauf des Romans zusammenlaufen.