Familiengeschichte, Anti-Kriegs-Roman und einfühlsame Charakterstudie - unaufgeregt, aber authentisch und berührend

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schnaeppchenjaegerin Avatar

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Als im Mai 1945 das Ende des Krieges in Europa verkündet wird, betritt Margaret zum ersten Mal den Werkzeugladen von Cal und küsst ihn unvermittelt. Beide sind verheiratet, aber Margarets Ehemann Felix ist noch im pazifischen Raum stationiert und Cal liegt mit seiner Ehefrau Becky im Clinch, da er die Séancen in ihrem Haus nicht gutheißt. Die zwei beginnen ein heimliches Verhältnis, das abrupt endet, als Felix verletzt nach Bonhomie zurückkehrt. Doch die Affäre bleibt nicht folgenlos, was Jahre später zu Brüchen führt.

Der Roman setzt die Begegnung von Margaret und Cal in der fiktiven Kleinstadt in Ohio an den Anfang, blickt dann zunächst Jahre zurück und erzählt von den glücklosen Kindheiten Margarets und Cals und wie sie ihre jeweiligen Ehepartner kennengelernt haben. Für beide ist es nicht die große Liebe, sondern eine solide Zweckgemeinschaft.

"Buckeye" handelt über mehrere Jahrzehnte hinweg, geprägt vom Krieg und den Folgen sowie von den (Fehl-)entscheidungen der Hauptfiguren. Neben Margaret und Cal gibt es genug Raum für die Geschichten von Becky, dem "Medium" und Felix im Konflikt mit seiner sexuellen Orientierung. Die Charaktere sind vielschichtig, geprägt von ihren Erfahrungen und den Dingen, die sie verbergen müssen.
Durch den Wechsel der Perspektiven wird jede Person mit ihren eigenen Komplexen, Sehnsüchten und Geheimnissen nahbar.
Auch der Zeitgeist ist spürbar, denn die fiktive Geschichte der beiden Familien wird eng mit belegten historischen Ereignissen verknüpft. Die beiden großen Kriege und der Vietnamkrieg prägen die Generationen, aber auch die gesellschaftlichen Verhältnisse im Hinblick auf den Umgang mit Rassentrennung, Homosexualität oder den Kampf gegen den Kommunismus.

Trotz bewegender Themen wie Kriegstrauma, Identitätssuche, unerfüllte Sehnsüchte und Lebenslügen wird die Geschichte unaufgeregt erzählt. Die Emotionen sind verhalten, Konflikte werden nicht überdramatisiert und dennoch entwickelt die Geschichte mit den liebevoll detaillierten Beschreibungen der Figuren, ihren inneren Monologen und Alltagsszenen einen ganz eigenen Charme. Ihre Entwicklung ist über die Jahre so authentisch nachzuvollziehen, dass ihre Schicksale und ihre Menschlichkeit bewegen.
Auf über 650 Seiten entsteht das Porträt einer amerikanischen Kleinstadt und die Geschichte von drei Generationen zweier Familien mit allen Höhen und Tiefen, wobei die vier Hauptfiguren mit ihrer Suche nach Glück und der Frage nach Vergebung in den Vordergrund rücken und wiederholt Kritik an den Kriegen ihrer Zeit laut wird.