Geheimnisse fürs Leben

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„Buckeye“ von Patrick Ryan ist ein Roman, der sich Zeit lässt und gerade deshalb seine Wirkung entfaltet. Im Mittelpunkt stehen zwei Ehepaare in einer kleinen Stadt in Ohio. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bringt ein Kuss zwischen Cal Jenkins und Margaret Salt, die beide verheiratet sind, einiges ins Rollen. Aus diesem zunächst kleinen Geheimnis entwickelt sich über die folgenden Jahrzehnte eine Geschichte über Liebe, Schuld, Verlust, Freundschaft und die Entscheidungen, die unser Leben manchmal viel stärker bestimmen, als uns bewusst ist.
Mir hat besonders gefallen, wie Ryan seine Figuren zeichnet. Sie sind angenehm unperfekt, treffen gute und schlechte Entscheidungen und bleiben dabei immer menschlich. Die Geschichte lebt weniger von großen Effekten als von den Beziehungen zwischen den Menschen und den kleinen Momenten, die sich irgendwann zu etwas Großem verbinden. Dabei gelingt es Ryan, die verschiedenen Lebensgeschichten miteinander zu verweben, ohne dass es konstruiert wirkt.
Auch sprachlich hat mich „Buckeye“ überzeugt. Die Sprache ist ruhig und atmosphärisch, ohne unnötig schwer zu werden, und lässt die amerikanische Kleinstadtwelt und ihre Bewohner sehr lebendig werden. Man braucht anfangs vielleicht ein wenig Geduld, bis man in der Geschichte angekommen ist, aber dann entwickelt sie einen ganz eigenen Sog. „Buckeye“ ist kein Roman, den man unbedingt wegen spektakulärer Wendungen liest, sondern wegen seiner Figuren und der Frage, wie sich ein einzelner Moment auf ein ganzes Leben auswirken kann. Für mich eine klug erzählte, warmherzige und gleichzeitig durchaus melancholische Geschichte, bei der vor allem die Menschen im Mittelpunkt stehen, und genau das macht ihren Reiz aus.