Lebensentscheidungen

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dajobama Avatar

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Buckeye – Patrick Ryan
Ein großer amerikanischer Familien- und Gesellschaftsroman. Auf gut 650 Seiten verliert er sich auch mal in Details bzw. wirkt streckenweise ein wenig langatmig. Ein bisschen Geduld ist durchaus notwendig.
Teilweise war ich zwiegespalten bezüglich dieser manchmal etwas sehr amerikanischen Geschichte. Die Wichtigkeit der Rolle, die Spiritualität in der Handlung spielt habe ich lange nicht verstanden. Viele Wiederholungen, oft mit dem Holzhammer, überhaupt sprachlich angenehm zu lesen, aber nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die Handlung ist über Generationen angelegt; es dauert, bis sich überhaupt mal Lebensläufe überschneiden, bis es dann mal wirklich spannend wird, ist locker die Hälfte des Romans gelesen.
Aber von vorne, sofern diese weitschweifige Geschichte überhaupt verständlich zusammengefasst werden kann. Cal darf wegen eines verkürzten Beins 1945 nicht in den Krieg ziehen, was ihn arg belastet. Dafür freundet er sich in der Zeit mit Becky an, die er auch heiratet. Eine Ehe mit Höhen und Tiefen. Als weiteres mehr oder weniger glückliches Ehepaar sind da noch Margaret und Felix. Aus einer kurzen Affäre zwischen Cal und Margaret entsteht ein Geheimnis, das beiden Familien Jahre später auf die Füße fallen wird.
Schwierig, die Handlung so verkürzt darzustellen. Eigentlich beginnt der Roman bereits beider vorherigen Generation, den Veteranen des ersten Weltkriegs und endet erst mit den Kindern der oben genannten Paare. Neben ziemlich vielen Charakteren, spielen Krieg sowie weltgeschichtliche Zusammenhänge in jeder Generation eine Hauptrolle.
Wie oben bereits erwähnt betätigt Becky sich über viele Jahre spirituell als Medium. Dieser Tatsache wird ziemlich viel Raum im Roman gegeben, was ich lange eher kritisch beäugt habe. Gegen Ende bin ich damit aber wieder ausgesöhnt worden.
Die Sprache ist nichts besonderes, der Stil aber locker, eher flapsig und recht bildhaft. Dadurch werden auch sehr ernste Themen nicht ganz so schwermütig transportiert.
Meiner Meinung nach hält sich dieser Roman relativ lang mit der Vorgeschichte und Hinführung auf, bevor man als Leser überhaupt mal eine Ahnung davon bekommt, worum es hier gehen soll. Das letzte Drittel hat mir dann sehr gut gefallen. Mehrere Charaktere werden vom Leben zu einem Abschied oder einer Aussprache gezwungen. Der melancholische und auch weise Rückblick auf getroffene Lebensentscheidungen hat mich sehr berührt und ist hier auch wunderbar gelungen. Schlechte Entscheidungen, große Enttäuschungen, Reue, verpasste Gelegenheiten – oftmals auch wegen des Krieges, der immer wieder eine Rolle spielt - am Ende war ich tatsächlich den Tränen nah.
Viele Figuren, alle sehr detailliert gezeichnet, mit verschiedensten Makeln und Eigenheiten. Sehr authentisch – das echte Leben. Leicht hat es hier niemand und dieser Roman neigt auch ganz sicher nicht zu Kitsch und Happy End. So ist dies auch irgendwo ein Gesellschaftsporträt eines Amerika und der Schäden, die diese Gesellschaft und Politik seiner Bevölkerung zufügte.
Keine große Literatur, sehr amerikanisch, vielleicht manchmal etwas sehr pathetisch, am Ende hat mich dieser umfangreiche Roman aber völlig mitgerissen.
4 Sterne