Ein Buch, zwei Gesichter

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azyria_sun Avatar

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Worum geht’s?
Malin ist groß, dünn und unscheinbar. Ihr größter Wunsch: endlich gesehen werden und einen Platz in der PINO-Tanzgruppe ergattern. Maira ist das komplette Gegenteil. Die Neue. Klein. Düster. Verschlossen. Und umgeben von einem unheimlichen Gerücht: Ist sie wirklich eine Hexe, die sich in dich verwandeln und deine tiefsten Wünsche wahr werden lassen kann?

Meine Meinung:
Der Young-Adult-Roman „Chimaira: Malin & Maira“ von Sabine Giebken ist einfach genial – und schon die Aufmachung hat mich begeistert. Das Wendebuch erzählt dieselbe Geschichte von zwei Seiten: einmal aus Mairas, einmal aus Malins Perspektive. Zwei Mädchen. Zwei völlig unterschiedliche Welten. Das Buch ist für Jugendliche ab 12 Jahren, dafür passt es auch ganz gut, obwohl es einige Stellen in sich haben und ganz schön gruselig sind.

Begonnen habe ich mit Maira. Warum? Zufallsentscheidung meines Dreijährigen. Man muss wichtige literarische Entscheidungen schließlich den Profis überlassen. Und tatsächlich hätte der Einstieg kaum passender sein können. Mairas Hälfte wirkt kühl, geheimnisvoll und düster – genau wie das Mädchen selbst. Doch je tiefer man in ihre Geschichte eintaucht, desto mehr bröckelt diese harte Fassade. Man erkennt ihre Verletzlichkeit, erfährt, was sie verloren und welches Leben sie für ihre Existenz als Chimäre aufgegeben hat. Für ein Leben ohne Ende.

Dann dreht man das Buch um – und plötzlich verändert sich alles. Malins Welt ist warm, chaotisch und voller Leben. Da sind ihre Freundin Franziska, ihre Familie, ihre Wünsche und Unsicherheiten. Wo Mairas Geschichte von Dunkelheit und Vergangenheit geprägt ist, fühlt sich Malins Seite hell, lebendig und vertraut an.

Und genau dieser Gegensatz macht das Buch für mich so besonders.

Beide Geschichten ergänzen sich großartig und verbinden Magie und Spannung mit Themen, die mitten aus dem Leben Jugendlicher kommen: der Wunsch nach Zugehörigkeit und Perfektion, Unsicherheit über den eigenen Körper und die verzweifelte Sehnsucht danach, endlich gesehen zu werden. Besonders schön fand ich dabei, wie deutlich wird, was Selbstvertrauen verändern kann. Manchmal braucht es gar keinen anderen Körper und kein anderes Gesicht – sondern nur eine aufrechtere Haltung, einen offeneren Blick und den Mut, sich selbst nicht länger zu verstecken. Dazu kommen Mairas Vergangenheit, die geheimnisvollen Auszüge aus ihrem Buch und die Geschichte um Anne, durch die man immer besser versteht, warum Malins Leben für Maira so verlockend erscheint. Das alles ist magisch, stellenweise überraschend düster und durchaus gruselig, gleichzeitig aber auch eine Geschichte über Freundschaft, Familie, Wünsche und die schwierige Suche nach sich selbst.

Welche Seite mir besser gefallen hat? Keine Ahnung. Malin und Maira könnten unterschiedlicher kaum sein – und trotzdem mochte ich beide auf ihre ganz eigene Art. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Buches.

Fazit:
„Chimaira: Malin & Maira“ von Sabine Giebken hat mich mit seiner besonderen Aufmachung, den zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven und der Mischung aus Magie, Spannung und ernsten Themen richtig begeistert. Ich mochte sowohl Mairas düstere, geheimnisvolle Sicht als auch Malins warmes, lebendiges Chaos und fand es genial, dieselbe Geschichte durch ihre Augen noch einmal ganz anders zu erleben. Für mich ein außergewöhnliches YA-Buch, das spannend und stellenweise herrlich unheimlich ist, gleichzeitig aber auch überraschend viel Tiefe mitbringt.

5 magische Sterne von mir.