Tolles Jugendbuch

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jessica41 Avatar

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Zwischen Sehnsucht, Geheimnissen und der Frage, wer man wirklich sein möchte

„Chimaira: Malin & Maira“ von Sabine Giebken war für mich ein Buch, das mich vor allem durch seine ungewöhnliche Ausgangssituation neugierig gemacht hat. Hinter der Geschichte steckt viel mehr als eine geheimnisvolle Begegnung und eine besondere Fähigkeit. Für mich geht es ganz wesentlich um den Blick auf sich selbst, um Erwartungen und darum, wie leicht man sich verlieren kann, wenn man unbedingt jemand anderes sein möchte.

Sabine Giebken hat dabei einen Schreibstil, der sich angenehm lesen lässt. Die Sprache wirkt modern und passend für ein Jugendbuch, ohne dass die Geschichte dadurch für ältere Leserinnen und Leser uninteressant wird. Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, dass mir bestimmte Themen unnötig erklärt werden. Vieles darf sich über die Figuren und ihre Entscheidungen entwickeln, was mir gut gefallen hat.

Malin ist keine Figur, die ihr Leben einfach hinnimmt. Sie hat Vorstellungen davon, wie sie gerne wäre und wie andere Menschen sie sehen sollen. Gerade ihre Unsicherheit und ihr ständiges Hinterfragen machen sie für mich zu einer nachvollziehbaren Protagonistin.
Als Maira in ihr Leben tritt, verändert sich die Situation. Maira wirkt von Anfang an anders als die Menschen, die Malin bisher kennt, und gerade dadurch entsteht eine Spannung, die sich durch die Geschichte zieht.

Die Idee, dass ein Mensch sich tatsächlich verändern könnte und dadurch vielleicht das bekommt, wonach er sich sehnt, fand ich sehr interessant. Denn damit stellt das Buch eine Frage, die für mich beim Lesen immer wichtiger wurde: Wenn man sein Äußeres oder bestimmte Eigenschaften verändern könnte, würde man dadurch tatsächlich zufriedener mit sich selbst werden?

Die Geschichte lässt diese Frage nicht einfach nebenbei stehen. Malins Entscheidungen sorgen dafür, dass sich ihre Situation zunehmend verändert, und damit verändert sich auch ihr Blick auf manche Menschen und auf sich selbst.

Bei Malin hatte ich nicht durchgehend das Gefühl, ihre Entscheidungen nachvollziehen zu können. Manchmal hätte ich ihr gerne zugerufen, dass sie gerade dabei ist, sich selbst unnötig unter Druck zu setzen. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich ihre Entwicklung gelungen. Sie muss im Laufe der Geschichte mit Situationen umgehen, die sie an ihre eigenen Grenzen bringen. Dabei geht es nicht nur darum, was andere über sie denken, sondern irgendwann auch darum, was sie selbst von sich denkt. Für mich lag darin eine der stärksten Seiten des Buches. Malin wird nicht innerhalb weniger Seiten zu einer vollkommen selbstbewussten Person. Ihre Entwicklung fühlt sich vielmehr wie ein Prozess an, bei dem sie Dinge ausprobieren, Entscheidungen treffen und deren Auswirkungen erleben muss.

Maira fand ich als Gegenpol zu Malin besonders interessant. Bei ihr hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass ich nicht alles weiß. Sie besitzt eine gewisse Unberechenbarkeit, und genau das hat für mich einen Teil der Spannung ausgemacht.
Ich wollte bei ihren Auftritten immer wissen, was tatsächlich hinter ihren Aussagen steckt und welche Absichten sie verfolgt. Gleichzeitig ist sie für mich nicht einfach nur die geheimnisvolle Figur, die auftaucht, um Malins Geschichte voranzutreiben. Auch Maira bekommt ihre eigene Bedeutung innerhalb der Handlung.

Die Verbindung zwischen den beiden fand ich deshalb spannender, je weiter ich gelesen habe. Ihre Vorstellungen und Bedürfnisse gehen nicht automatisch in dieselbe Richtung, und genau daraus entstehen interessante Momente.

Besonders interessant fand ich die Frage, ob Malin jemanden wirklich aus den richtigen Gründen mögen beziehungsweise beeindrucken möchte – oder ob sie sich teilweise danach richtet, wie sie von dieser Person wahrgenommen werden möchte.

Ich habe beim Lesen immer wieder darüber nachgedacht, wie schnell man sich selbst mit anderen Menschen vergleicht. Gerade bei Malin wird deutlich, wie sehr der eigene Blick auf sich selbst von der Umgebung beeinflusst werden kann. Man sieht bei anderen oft nur das, was einem selbst fehlt, und übersieht dabei die eigenen Stärken. Ich fand es interessant, wie aus einem zunächst persönlichen Wunsch nach Veränderung immer größere Konsequenzen entstehen.
Dabei wollte ich nicht ständig wissen, was als Nächstes passiert, sondern teilweise genauso sehr wissen, was die Erlebnisse aus Malin machen.

Etwas gefehlt hat mir an einigen Stellen die Zeit, bestimmte Entwicklungen noch intensiver mitzuerleben. Gerade bei emotionalen Momenten hätte ich mir gelegentlich gewünscht, dass die Geschichte etwas länger bei den Figuren bleibt.

Das Buch ist meiner Meinung nach besonders wirklich für Jugendliche interessant, weil viele der angesprochenen Unsicherheiten sehr nah an dieser Lebensphase liegen. Gleichzeitig können auch ältere Leserinnen und Leser etwas mitnehmen, weil die Fragen rund um Selbstbild, Anerkennung und die eigene Identität keineswegs nur Jugendliche betreffen.