Zwei Mädchen, zwei Wahrheiten

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drachenzahn Avatar

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Was wäre, wenn jemand anderes deine Wünsche erfüllen könnte, indem er für eine Weile dein Leben übernimmt? Mit dieser ungewöhnlichen Vorstellung beschäftigt sich Sabine Giebken in ihrem Jugendroman „Chimaira: Malin & Maira“.

Malin möchte unbedingt zur angesagten Tanzgruppe ihrer Schule gehören, doch ihr fehlt das nötige Selbstvertrauen. Da begegnet sie der geheimnisvollen Maira, die eine besondere Fähigkeit besitzt: Sie kann fremde Körper übernehmen und ihren Besitzerinnen damit scheinbar unerreichbare Wünsche erfüllen. Allerdings hat dieser Tausch ungeahnte Folgen.

Schon die äußere Gestaltung ist ein echter Hingucker. Besonders originell finde ich jedoch das Wendebuch-Konzept: Beide Mädchen erzählen ihre eigene Version der Ereignisse, wobei man selbst entscheiden darf, mit welcher Geschichte man beginnt. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen ergänzen sich und lassen manche Situationen plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass dieses Potenzial noch stärker ausgeschöpft wird. Einige Szenen ähneln sich sehr, wodurch gelegentlich Wiederholungen entstehen. Auch die Charaktere sind nicht gleichermaßen überzeugend ausgearbeitet. Während Malins Unsicherheiten und Wünsche glaubwürdig vermittelt werden, bleibt Maira trotz ihrer faszinierenden Fähigkeiten stellenweise etwas undurchsichtig. Gerade über ihre Vergangenheit hätte ich gerne mehr erfahren.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig, die Kapitel sind kurz und die Handlung bietet eine gelungene Mischung aus Fantasy und typischen Problemen des Jugendalters. Allerdings nimmt der Tanzwettbewerb recht viel Raum ein, während andere interessante Aspekte etwas zu kurz kommen.

Weitestgehend gelungen finde ich die Auseinandersetzung mit Selbstzweifeln, Anerkennung und dem Wunsch, jemand anderes zu sein. Auch wenn diese Themen nicht immer die gewünschte Tiefe erreichen, regen sie durchaus zum Nachdenken an.

„Chimaira“ überzeugt vor allem durch seine ungewöhnliche Erzählstruktur und die ansprechende Gestaltung. Ein unterhaltsamer Jugendroman, dessen interessante Grundidee noch etwas mehr Möglichkeiten geboten hätte.