Echte Stärken aber auch Info-Dump Passagen

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cc-san Avatar

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Ich bin ehrlich gesagt nicht unbedingt die Person, die als erstes zu einem deutschen Cyber-Thriller greift. Aber der Klappentext hat mich neugierig gemacht, und jetzt, nach der Leseprobe, bin ich... vorsichtig optimistisch.
Der Einstieg funktioniert. Der Prolog wirft einen direkt ins kalte Wasser: Charlie liegt auf dem Betonfußboden, Blut im Mund, eine Pistole auf sie gerichtet. Klassisch, ja, aber Schwiecker hält es kurz und verkitscht es nicht. Und dann springt er zurück – zehn Tage früher – und der Kontrast könnte eigentlich nicht größer sein: Charlie steckt im Berliner Stau fest, verspätet sich auf den Kindergeburtstag ihres Neffen und flucht über ihr Navi. Das funktioniert besser als ich erwartet hatte, weil man als Leserin in diesem Moment noch nicht weiß, dass genau dieses Mini-Ereignis mit dem springenden GPS-Punkt Teil von etwas viel Größerem ist. Schön eingefädelt.
Charlie selbst ist bisher meine liebste Figur aus der Probe. Die Szene, in der sie ihrem arroganten Kunden Gruber erst den Espresso bringt – mit "engelsgleicher Stimme" – und dann live in der Besprechung seinen Bitcoin-Private-Key aus dem Gedächtnis rezitiert, bevor sie fristlos kündigt... das hatte Tempo und Witz. Sie wirkt nicht wie eine Frau, die erklärt wird, sondern wie jemand, der einfach agiert.
Was mich ein bisschen zögern lässt: Die Kommissionsszenen sind notwendig für die Exposition, fühlen sich aber stellenweise sehr nach Lehrstunde an. Leduc und Brenner erklären brav, was Galileo ist, was Nanosekunden bedeuten, warum man nicht einfach auf GPS umschalten kann – alles korrekt und offensichtlich recherchiert, aber der Lesefluss leidet ein wenig darunter. Ein bisschen weniger "und das bedeutet das nämlich so" wäre da schöner.
Die Frage, die mich weitertreibt: Wer oder was ist Timeout wirklich, und was hat das mit Charlie zu tun? Diese Verbindung ist noch nicht hergestellt, und ich will wissen, wie Schwiecker die beiden Erzählstränge zusammenführt. Auch Hannsen interessiert mich mehr als er sollte – der verwitwete Veteran, der nachts instinktiv nach seiner Frau greift, die seit zwei Jahren tot ist... das war eine der wenigen emotionalen Andeutungen in der Probe, und ich frage mich, ob das irgendwo hinführt oder nur Atmosphäre ist.
Stilistisch: solide, klar, kein unnötiges Blumenwerk. Passt zum Genre.