James Bond war gestern ...
Stell‘ dir vor, du entdeckst das Komplott einer hocheffizienten Verbrecherorganisation, deren Drahtzieher angeblich Cyberterroristen sind. Du und deine wenigen Mitstreiter sind die einzigen, die Europa vor der Kontrolle dieser mafiösen Gruppierung noch retten können. Genau in diese Situation gerät Charlotte „Charlie“ Engel. Eigentlich hat sich die junge Programmiererin und Hackerin über ihren neuen Job bei der CSA5 gefreut, einer Spezialeinheit, zuständig für die Cybersecurity der EU. Da ahnt sie noch nicht, was auf sie zukommt.
Florian Schwiecker kenne ich von seinen Justizkrimis, die ich schätze. Jetzt hat er das Genre gewechselt und einen Tech-Thriller geschrieben. Natürlich war ich sehr gespannt und meine Erwartungen hoch. Sie wurden nicht enttäuscht.
Nach einer kurzen Fehlfunktion des Galileo-Systems, also der Navigationssatelliten der EU, häufen sich in Berlin Meldungen über Ausfälle und Beinah-Katastrophen. Alle betroffenen Bereiche wie die Börse, Flugzeuge, Krankenhäuser etc. scheinen in irgendeiner Form auf diese Daten zuzugreifen. Charlie, die gerade wieder mal arbeitslos ist, wird neugierig. Was hat den Ausfall ausgelöst? Ein Update, Überlastung oder etwas Anderes? Sie beginnt zu recherchieren und entdeckt, dass keine Fehlfunktion, sondern Hacker hinter dem Ausfall des Galileo-Systems stecken. „Timeout“ hat seine Signatur hinterlassen. Charlie informiert die CSA5 über ihre Entdeckung, was ihr einen Job bei eben dieser Einheit einbringt. Aber auch Hora, der Kopf von „Timeout“ ist auf sie aufmerksam geworden. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.
Charlie ist eine sehr fähige Programmiererin, die kurz vor Abschluss ihrer Dissertation das Studium aufgegeben hat. Grund dafür war ein Fehler, der von ihr geschaffenen generativen KI „KIM“, der zwei Menschen das Leben gekostet hat. Da sie „Timeout“ nicht zu fassen bekommt, reaktiviert die Programmiererin eben diese Software. Charlie, der ihr Therapeut ein leichtes Asperger-Syndrom diagnostiziert hat, ist sympathisch und verletzlich. Sie hat ein ambivalentes Verhältnis zu KIM. Lukas Philips, angeblich einer der fähigsten Mitarbeiter von CSA5, obwohl kein IT-Spezialist, vertraut Charlie auf Anhieb und setzt sich für ihre Anstellung ein. Gemeinsam geraten sie in eine Lage, die äußerst prekär ist, aber sie halten zusammen. Die anderen Charaktere haben weniger Tiefe aber Potenzial, wie Charlies Bruder Fritz oder ihre Kollegin Nicola Frost.
Florian Schwiecker konfrontiert den Leser mit einer Situation, die bedrohlich und aktuell ist. Man spürt, dass hier ein Insider berichtet und tatsächlich ist der Autor inzwischen im Bereich KI beruflich unterwegs. Leider wird der Cybersecurity speziell in Deutschland und der EU immer noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, was fatale Folgen haben könnte, worauf Schwiecker deutlich hinweist.
Naturgemäß erfordert das Thema KI eine Sprache, die zahlreiche Fachbegriffe beinhaltet. Der Autor hat das elegant gelöst. Das meiste ist gut erklärt und wenn der nicht so technikaffine Konsument im Zweifelsfall stur weiter liest, schadet das nicht. Ich konnte der Handlung jedenfalls problemlos folgen. Besonders spannend fand ich den Abschnitt, der sich mit dem Deepfake beschäftigt. Es war interessant zu lesen, wie er anhand minimaler Fehler zu entlarven ist. Wer weiß, ob man dieses Wissen nicht einmal nutzen kann? Jeder kann Opfer eines Deepfake werden und genügend Menschen lassen sich problemlos täuschen. Die vorhandenen Gefahren werden realistisch dargestellt, ob Kontrolle oder Missbrauch der KI bzw. den Umgang mit ihr, Manipulation und Korruption innerhalb der Strukturen.
Die mitreißende, teils beklemmende Handlung verhindert ebenso wie die flüssige Sprache, dass der Roman trotz des techniklastigen Plots trocken wirkt. Vielmehr gelingt es Schwiecker wie gewohnt, seine Leser von Beginn an zu fesseln. Überraschende Wendungen halten die Spannung bis zuletzt hoch. Das Buch endet offen und der kleine Cliffhanger weist auf eine Fortsetzung hin. Ich werde wieder dabei sein und freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Charlie, Lukas und KIM.
4,5 Sterne
Florian Schwiecker kenne ich von seinen Justizkrimis, die ich schätze. Jetzt hat er das Genre gewechselt und einen Tech-Thriller geschrieben. Natürlich war ich sehr gespannt und meine Erwartungen hoch. Sie wurden nicht enttäuscht.
Nach einer kurzen Fehlfunktion des Galileo-Systems, also der Navigationssatelliten der EU, häufen sich in Berlin Meldungen über Ausfälle und Beinah-Katastrophen. Alle betroffenen Bereiche wie die Börse, Flugzeuge, Krankenhäuser etc. scheinen in irgendeiner Form auf diese Daten zuzugreifen. Charlie, die gerade wieder mal arbeitslos ist, wird neugierig. Was hat den Ausfall ausgelöst? Ein Update, Überlastung oder etwas Anderes? Sie beginnt zu recherchieren und entdeckt, dass keine Fehlfunktion, sondern Hacker hinter dem Ausfall des Galileo-Systems stecken. „Timeout“ hat seine Signatur hinterlassen. Charlie informiert die CSA5 über ihre Entdeckung, was ihr einen Job bei eben dieser Einheit einbringt. Aber auch Hora, der Kopf von „Timeout“ ist auf sie aufmerksam geworden. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.
Charlie ist eine sehr fähige Programmiererin, die kurz vor Abschluss ihrer Dissertation das Studium aufgegeben hat. Grund dafür war ein Fehler, der von ihr geschaffenen generativen KI „KIM“, der zwei Menschen das Leben gekostet hat. Da sie „Timeout“ nicht zu fassen bekommt, reaktiviert die Programmiererin eben diese Software. Charlie, der ihr Therapeut ein leichtes Asperger-Syndrom diagnostiziert hat, ist sympathisch und verletzlich. Sie hat ein ambivalentes Verhältnis zu KIM. Lukas Philips, angeblich einer der fähigsten Mitarbeiter von CSA5, obwohl kein IT-Spezialist, vertraut Charlie auf Anhieb und setzt sich für ihre Anstellung ein. Gemeinsam geraten sie in eine Lage, die äußerst prekär ist, aber sie halten zusammen. Die anderen Charaktere haben weniger Tiefe aber Potenzial, wie Charlies Bruder Fritz oder ihre Kollegin Nicola Frost.
Florian Schwiecker konfrontiert den Leser mit einer Situation, die bedrohlich und aktuell ist. Man spürt, dass hier ein Insider berichtet und tatsächlich ist der Autor inzwischen im Bereich KI beruflich unterwegs. Leider wird der Cybersecurity speziell in Deutschland und der EU immer noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, was fatale Folgen haben könnte, worauf Schwiecker deutlich hinweist.
Naturgemäß erfordert das Thema KI eine Sprache, die zahlreiche Fachbegriffe beinhaltet. Der Autor hat das elegant gelöst. Das meiste ist gut erklärt und wenn der nicht so technikaffine Konsument im Zweifelsfall stur weiter liest, schadet das nicht. Ich konnte der Handlung jedenfalls problemlos folgen. Besonders spannend fand ich den Abschnitt, der sich mit dem Deepfake beschäftigt. Es war interessant zu lesen, wie er anhand minimaler Fehler zu entlarven ist. Wer weiß, ob man dieses Wissen nicht einmal nutzen kann? Jeder kann Opfer eines Deepfake werden und genügend Menschen lassen sich problemlos täuschen. Die vorhandenen Gefahren werden realistisch dargestellt, ob Kontrolle oder Missbrauch der KI bzw. den Umgang mit ihr, Manipulation und Korruption innerhalb der Strukturen.
Die mitreißende, teils beklemmende Handlung verhindert ebenso wie die flüssige Sprache, dass der Roman trotz des techniklastigen Plots trocken wirkt. Vielmehr gelingt es Schwiecker wie gewohnt, seine Leser von Beginn an zu fesseln. Überraschende Wendungen halten die Spannung bis zuletzt hoch. Das Buch endet offen und der kleine Cliffhanger weist auf eine Fortsetzung hin. Ich werde wieder dabei sein und freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Charlie, Lukas und KIM.
4,5 Sterne