Rechner als die neue Bedrohung
Der Thriller hat mich anfangs unheimlich schnell in den Bann gezogen. Charlie, eigentlich Charlotte Engel, ist eine Computerspezialistin, die an der Universität in Amsterdam in dem Bereich Cyberangriffe und KI ausgebildet wurde. Sie hat in ihrer Amsterdamer Zeit ein Programm KIM geschrieben, das als künstliche Intelligenz in unglaublicher Schnelligkeit Unmengen an Daten vergleichen, analysieren und bewerten kann. Charlie ist eine sehr sympathische Figur, aber aufgrund einer leichten Aspergersyndrom-Auffälligkeit auch schnell überbordend und tut sich schwer, lockere Beziehungen zu knüpfen. Wegen eines uverschämten Kundens hat sie ihren letzten Job verloren und hat jetzt Zeit. Ihr fällt auf, dass der Ausfall von Navigtionssystemen in Berlin für nur wenige Sekunden mit anderen Vorfällen zusammenhängt und kein singuläres und zufälliges Ereignis war, wie die Öffentlichkeit glaubt. Sie frisst sich ich das Programm des Satellitensystems Galileo rein und entdeckt eine erschreckende dunkle Seite, die eine gewaltige Bedrohung darstellt. Sie will helfen und nimmt Kontakt auf, um die Erpresser, die sich timeout nennen, zu fassen. Auf mehreren Ebenen der Politik - auch auf europäischer Ebene- wird zusammengearbeitet, es werden Fehler gemacht, Maulwürfe gejagt, Vermutungen verworfen, all das, was einen guten Thriller ausmacht. Allerdings hätten 150 Seiten weniger zum Auftakt auch genügt, da man als Laie von immer neuen technischen Details, die geschildert werden, tatsächlich nicht profitiert, sondern anfängt, Textstellen zu überlesen. Da hat sich, nach meiner Meinung, der Autor mit seiner wahrhaften profunden Fachkenntnis selbst ein Bein gestellt.