Atmosphärisch beeindruckend, aber teilweise auch überzeichnet

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Buchmeinung zu Fabio Nola – »Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl«

»Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl« ist ein Kriminalroman von Fabio Nola, der 2026 bei dtv erschienen ist. Dies ist der zweite Band der Reihe um den neapolitanischen Commissario Salvatore Gaetano.

Zum Autor:
Fabio Nola ist das Pseudonym eines deutschen Historikers (*1982). Er hat in Neapel studiert und wohnte zusammen mit fünf neapolitanischen Jurastudenten mitten im wilden, bunten Centro Storico. Diese Zeit inspirierte ihn zu seiner Krimireihe um den feinfühligen Commissario Salvatore Gaetano.

Zum Inhalt:
Commissario Gaetano will die Osterfeiertage auf dem Weinhof seines Vaters im kampanischen Hinterland Neapels verbringen, zusammen mit seinem pflegebedürftigen Bruder und der Familie seiner schwangeren Nichte Carla. Dann erreicht ihn ein Anruf seiner jungen Kollegin Beppa Belucci, die eine Wasserleiche geborgen hat und sicher ist, dass der Tote ermordet wurde.

Meine Meinung:
Commissario Gaetano und Beppa Belucci waren mir von Beginn an sympathisch. Gaetano überzeugt mit seiner ruhigen Art, seiner Erfahrung und seinem Gerechtigkeitssinn, während Beppa Belucci voller Tatendrang steckt und auf die Unterstützung ihrer Fischerfamilie bauen kann.
Das Team um den Commissario steckt voller Typen, die zum Teil aber deutlich überzeichnet wirken. Es gibt etliche Nebenhandlungen und auch im Umfeld des Toten bereitet der Umgang mit einem Pflegefall Probleme. Wie beim Commissario ist die Rückkehr in den Kreis der Familie beabsichtigt. Der Tote war ein wichtiger Mitarbeiter bei einer aufstrebenden Firma, die hochwertige und hochpreisige Algenprodukte herstellt. Gaetanos Chef und der neue Staatsanwalt üben Druck aus, weil sie von einem Selbstmord ausgehen. Gaetano ist davon noch nicht überzeugt und widersetzt sich diesen Anweisungen.
Die atmosphärische Erzählung zeigt viele Facetten einer Stadt, die voller Gegensätze steckt und einen permanenten Wandel durchlebt. Moderne trifft auf gewachsene Strukturen und nicht alle Menschen sind Gewinner.
Die Geschichte wird aus der Perspektive des Commissarios erzählt und der Leser kann seine Gedankengänge hautnah verfolgen. Lange Zeit passiert scheinbar wenig und doch ändert sich die Wahrnehmung Gaetanos. Erst zum Ende hin nimmt der Fall Fahrt auf und es wird sogar ein wenig dramatisch. Die Auflösung ist überraschend, aber vollständig und nachvollziehbar.
Gefallen hat mir der atmosphärische Schreibstil und die vielen Informationen über eine Stadt im Wandel. Natürlich gehört zu Neapel, dass viele Dinge in einer Grauzone ablaufen, aber hier ist der Autor deutlich übers Ziel geschossen. Sei es die Nutzung von Dienstwagen oder die Einbindung von Beppas Verwandten bei den Ermittlungen oder das plötzliche Auftauchen organisierter Kriminalität. Es war mir einfach zu viel.

Fazit:
Ein atmosphärisch beeindruckender Krimi mit lebendigen, aber auch überzeichneten Figuren, der nach ordentlichem Beginn zu viele Nebenhandlungen enthält. Deshalb bewerte ich den Titel mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Wer atmosphärische Krimis mag, sollte einen Blick in das Buch riskieren.