Der zwölfte Espresso kann tödlich sein

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Karfreitag in Neapel. Commissario Salvo Gaetano hat Urlaub und ist bei seiner Familie auf dem Land. Alles bestens oder was? Mitnichten! Schon klingelt sein Telefon. Die Diensthabende Beppa, Polizistin in Ausbildung und Salvos Schützling, braucht dringend Hilfe. Im Hafenbecken von Mergellina wurde eine Leiche entdeckt. Carla, die schwangere Nichte des Commissarios, reagiert wütend als ihr Onkel dem Hilferuf folgt. Doch wie will der überhaupt nach Neapel kommen? Sein Dienstfahrzeug hat Carlas Mann Michele ungefragt zum familiären Lieferwagen umfunktioniert und fährt gerade Wein im kampanischen Hinterland aus. Als Salvo endlich am Tatort eintrifft, stellt er fest, dass Beppa dort ihr eigenes Süppchen kocht ...

Fabio Nola gelingt auch mit seinem zweiten Fall "Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl" ein spannender Kriminalroman, der sich erfrischend von anderen abhebt. Der Autor glänzt erneut mit seinen profunden Kenntnissen der Neapolitaner und ihrer Stadt.

Noch ist nicht klar, was mit dem Opfer Paolo Marchesi passiert ist. Warum ist er tot? War es Mord, Suizid, Totschlag oder ein Unfall? Der Arbeitgeber des Toten, die Firma Spirafarm, ist einer der größten Arbeitgeber der Stadt und der zuständige Staatsanwalt sitzt dort im Aufsichtsrat. Der Börsengang des Unternehmens steht unmittelbar bevor und da macht es sich nicht gut, wenn plötzlich "das Gesicht" der Firma tot ist. Entsprechend soll diskret ermittelt werden. Und wie ist die Camorra in den Fall involviert? Eine der Familien fängt plötzlich an Neapels Pizzabäcker zu ermorden und feiert jede ihrer Hinrichtungen mit Feuerwerk.

Ich liebe Nolas Charaktere, die im 2. Fall deutlich an Tiefe gewonnen haben. Sie sind kantig und besitzen trotzdem Charme. Dieses Mal sticht die ambitionierte Beppa besonders hervor. Stur weigert sie sich, "ihre" Leiche als Opfer eines schnöden Unfalls oder als Selbstmörder zu behandeln. Um ihre Mordthese zu untermauern, spannt sie ihre gesamte Sippe ein und leistet selbst höchsten Einsatz. Schließlich überzeugt sie auch Salvo, der prompt von seinem Vorgesetzten und dem zuständigen Staatsanwalt zurückgepfiffen wird. Doch auch Gaetano bleibt sich treu. Je mehr Hindernisse zu überwinden sind, desto intensiver ermittelt er. Um den komplexen Fall zu lösen, benötigt der Commissario jede Hilfe, die er kriegen kann. Auch die des Katers Geronimo.

Die Ermittlungen ziehen sich über die Osterfeiertage hin. Während der Feiertage geht die Arbeit allerdings noch langsamer vonstatten als sonst. Immerhin gelingt es Salvo trickreich den großen Zampano der SpuSi, Davide, in sein Labor zu locken. Dieser erreicht dank der schwierigen Untersuchungen beinahe die von ihm errechnete tödliche Dosis an Espressi. Am Karfreitag wird die Leiche entdeckt, am Dienstag nach Ostermontag der Fall gelöst. In dieser Zeit begleitet der Leser nicht nur die Arbeit der Mordkommission, sondern auch die aufwendigen neapolitanischen Osterbräuche. Erneut ermittelt Salvo während eines christlichen Hochfests in Neapel. Die Ermittlungen weisen zahlreiche Verwicklungen und Wendungen auf. Immer wenn ich dachte, der war es, verändern neue Fakten die Beweislage. Trotzdem wird der Fall dank der Sturheit Beppas und des Commissarios restlos aufgeklärt.

Dieser Fall verändert Salvos Verhältnis zu seinem behinderten Bruder Aniello grundlegend und verhilft ihm zur Erkenntnis, dass er nicht länger allein leben will. Also wendet er sich der Frau zu, die er schon lange liebt. Sie zwingt ihn, seinen schroffen Umgangston und sein Verhältnis zu den Kollegen zu ändern, was überfällig ist. Ich bin schon sehr gespannt, ob diese erfreuliche Entwicklung auch noch in Band 3 zu spüren sein wird.

Von mir gibt es für diesen spannenden, atmosphärischen Krimi die volle Punktzahl.