Vorsichtig optimistisch.

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Okay, ich habe das mit einem sehr gemischten Gefühl zugeschlagen. Nicht weil es schlecht wäre – das ist es nicht. Aber weil ich mir noch nicht sicher bin, ob das Buch weiß, was es sein will.
Der Prolog hat mich sofort gepackt. Alex und Lia auf dem Bett, dieses Spiel mit den Wahrheiten, die eine Lüge versteckt – das hat eine echte Spannung. Und der letzte Satz des Prologs sitzt: „Sie würde etwas lostreten, zu dem ich nicht bereit war. Und letztlich würde sie uns zerstören und all das, was wir meinten zu sein." Das ist kein aufgeblasenes Versprechen, das ist jemand der weiß, was er tut. Ich war drin.
Dann kommt Kapitel 1 mit Dalia und ich denke – ah, andere Zeitebene, andere Figur, okay. Und Dalia mag ich tatsächlich. Die Szene, in der sie gefeuert wird weil sie sich gegen Body Shaming gewehrt hat und dann mit sich selbst hadert ob sie trotzdem falsch lag, das ist ehrlich. Freya als ADHS-Bestie mit dem glutenfreien Croissant-Drama ist sofort sympathisch und fühlt sich wie eine echte Person an, nicht wie eine Sidekick-Funktion.
Was mich ins Stocken gebracht hat: Kapitel 2 mit Alex, seinen Freunden, der Mensa, Bonnie die zu seinem Penis-Penisgebets-Anekdoten und dem Mutter-Subplot – das fühlt sich sehr nach Setup an. Viel Ensemble, viel Charakteretablierung auf einmal. Ich habe Bonnie gemocht, aber es kam mir vor wie drei Seiten Freunde-Dynamik bevor wirklich etwas passiert. Wobei – die Spannung mit der Mutter und was die bedeutet interessiert mich schon.
Das Parallelkonstrukt mit beiden Figuren die am selben Tag einen Anruf kriegen der ihr Leben verändert, das funktioniert. Dass Damian sowohl Dalias Zwillingsbruder als auch anscheinend die Person ist, die mit Lias Lebenswelt verbunden ist (grüne Augen, Tennis) – das ist nicht zufällig, und ich will wissen wo das hingeht.
Mein größtes Fragezeichen: Wie wird mit dem Trauma umgegangen wenn es ernst wird? Die Leseprobe zeigt Sensibilität für Körperbild und mentale Gesundheit in kleinen Momenten. Ob das auch bei den schwereren Themen hält – das wäre entscheidend für mich.
Lesen würde ich weiter. Vorsichtig optimistisch.