düstere, atmosphärisch dichte Fantasy-Welt

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Der Einstieg ist hervorragend gewählt: Wir lernen Sorrel kennen, eine junge Schankmaid, die am Rande der Gesellschaft lebt. Sie ist eine klassische Außenseiterin, die trotz ihrer heilenden Fähigkeiten – oder gerade deswegen – von den Dorfbewohnern gemieden oder nur heimlich aufgesucht wird. Diese soziale Isolation macht sie sofort sympathisch und verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Die Bedrohung durch die Dämonen und das Versagen des „Fulcrums“ wird nicht nur durch Erzählungen, sondern durch den blutigen Auftritt des Milchmanns drastisch und spannend eingeführt. 
Die Sprache ist bildhaft und unterstützt die düstere Grundstimmung perfekt. Metaphern wie der Vergleich des Wirtshausbesitzers mit einem „Berg von einem Mann mit einem kahlen Gipfel“ oder der Nebel, der wie „ruhelose Phantomarme“ wabert, erzeugen ein klares Bild vor dem inneren Auge. Besonders beeindruckend ist die Passage, in der Sorrel die Vision des Todes des Hufschmieds erlebt. Die drastische Darstellung seiner Verbrennungen ist packend geschrieben und deutet darauf hin, dass Sorrels Magie weit über das Brauen von Kräutermedizin hinausgeht. 
Nach Abschluss der Leseprobe ist mein Interesse definitiv geweckt. Die Mischung aus einer geheimnisvollen Protagonistin, einem zerfallenden magischen Schutzwall und der drohenden Rückkehr eines „Dunklen Königs“ bietet klassische Fantasy-Elemente, die hier jedoch sehr frisch und intensiv aufbereitet werden. Man möchte unbedingt wissen, welches Schicksal Sorrel und das Kind des Hufschmieds erwartet und wie sie in den größeren Konflikt um Anathos verwickelt wird. 
Das Cover wirkt edel und fängt das Motiv der im Titel genannten „Schatten“ sowie den royalen Fantasy-Aspekt sehr passend und ansprechend ein.