Düstere Fantasy, zäher Slow Burn, und reichlich Misskommunikation

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bookaddict_sylvia Avatar

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Als Fan der Black Dagger-Reihe war ich sehr gespannt auf Crown of War and Shadow. von der Autorin J.R. Ward. Schon nach den ersten Kapiteln wurde jedoch klar, man kann nichts vergleichen, auch natürlich liegen die Vampirromane einige Jahre zurück und sind auch eine absolut andere Welt.

Dabei mangelt es keineswegs an Fantasie. Ward erschafft eine düstere, interessante Welt mit verstecker Magie, politischen Konflikten und einer spannenden Grundidee. Die Geschichte folgt Sorrel, einer jungen Frau, die am Rand der Gesellschaft lebt. Tagsüber arbeitet sie nahezu versklavt in einem Gasthof, heimlich nutzt sie jedoch ihre magischen Fähigkeiten, um ihrem Dorf zu helfen, speziell Frauen und Kindern. Ironischerweise wird sie genau dafür ausgestossen und gejagt. Auf ihrer Flucht begegnet hilft ihr Merc, eine Reise zu überstehen, die sie allein vermutlich nicht geschafft hätte. Zuerst ist die Entlöhnung doch sehr fragwürdig und wurde nie richtig aufgeklärt warum. Die Reise bleibt abenteuerlich, mit vielen Dämonen, Monster und Kreaturen deren ich lieber nicht begegnen würde. Irgendwie überleben die beiden vieles und kommen sich auch näher.

Wer bei dem Buch eine klassische Romantasy erwartet, könnte überrascht werden. Für mich war Crown of War and Shadow deutlich mehr Fantasy mit einem Hauch Slow-Burn, und ein paar kleinen spicy Momenten. Die Beziehung zwischen Sorrel und Merc entwickelt sich sehr langsam über die gesamte Handlung hinweg. Es gibt für mich keine romantische Momente, sondern eher ein bisschen rudimentale Frau Mann Verteilung die mir nicht so gefällt.

Die Fantasy Welt wirkt rau, gefährlich und oft hoffnungslos. Einige Abschnitte konnten mich richtig fesseln. Weniger begeistert war ich hingegen von der berüchtigten Spinnen-Szene, die für mich definitiv in die Kategorie Albtraum-Lesestoff fällt.

Mein grösstes Problem war allerdings die Hauptfigur. Sorrel machte es mir schwer, eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Ihre Entwicklung wirkte auf mich teilweise sehr sprunghaft, als würde sie von einem Extrem ins andere wechseln. Zudem haben mich ihre Gedankengänge und ihr ständiges Grübeln zunehmend frustriert. Oft hätte ein wenig mehr Ehrlichkeit und klare Kommunikation gegenüber Merc viele Situationen vereinfacht. Stattdessen drehte sich die Geschichte stellenweise zu sehr im Kreis.

Auch die Reise selbst zog sich für meinen Geschmack etwas in die Länge. Es gab immer wieder spannende Momente, doch zwischendurch wirkte die Handlung repetitiv und verlor etwas an Tempo. Interessanterweise hatte ich dann am Ende genau das umgekehrte Gefühl: Die letzten Szenen gehen plötzlich von null auf hundert. Obwohl ich normalerweise ein höheres Tempo sehr schätze, wirkte der Abschluss hier fast zu überhastet und hätte für mich etwas mehr Raum zur Entfaltung verdient.

Insgesamt ist Crown of War and Shadow für mich ein solides Fantasybuch mit einer interessanten Welt, einer starken Grundidee und einigen wirklich packenden Momenten. Gleichzeitig hätten ein gleichmässigeres Erzähltempo, weniger innere Monologe und etwas mehr Handlung statt Grübelei das Leseerlebnis deutlich verbessert. Fans von Slow Burn und düsterer Fantasy könnten hier durchaus auf ihre Kosten kommen. Mich konnte das Buch trotz seiner Stärken jedoch nicht vollständig überzeugen.