Mehr Schatten als Krone
Es war definitiv nicht der Klappentext, der mein Interesse an diesem Buch geweckt hat, und ich weiß auch nach der Lektüre noch immer nicht, was mit den „undurchschaubaren Intrigen“ gemeint sein soll. (Vielleicht die Tatsache, dass Sorrel und Merc nie miteinander reden und stattdessen lieber voreilige Schlüsse ziehen? Oder doch eher die am Ende nur noch wenig überraschende Auflösung von Sorrels Herkunft?) Ausschlaggebend war für mich vielmehr J. R. Ward, die ich bereits durch ihre Black-Dagger-Reihe kenne. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen.
Sorrel ist eine Heilerin mit besonderen Fähigkeiten, die schon so manchem Dorfbewohner buchstäblich ein neues Leben geschenkt hat. Doch in Anathos ist jegliche Magie verboten. Zwar wird Sorrel von den Menschen in ihrem Dorf geduldet, lebt jedoch als Ausgestoßene, deren Dienste eher nachts und durch die Hintertür in Anspruch genommen werden. Das Dorf liegt in der Nähe des Fulcrums, einer magischen Barriere, die den Dunklen König gefangen halten soll – zumindest erzählt man sich das. Doch die Barriere scheint zunehmend brüchig zu werden, und immer häufiger streifen Dämonen durchs Land. Die Angst der Menschen lässt sie grausam werden, und so findet sich Sorrel eines Abends mitten in einer Hexenjagd wieder. Daher fällt es ihr nicht schwer, die Hilfe des dunklen Fremden anzunehmen, zu dem sie sich seit seiner Ankunft ohnehin auf rätselhafte Weise hingezogen fühlt.
CROWN OF WAR AND SHADOW liest sich zu Beginn recht flüssig. Man findet gut in die Geschichte hinein, lernt Sorrel als schüchterne und einsame junge Frau kennen und verfolgt gespannt ihr Kennenlernen mit Merc, dem geheimnisvollen Fremden. Zwar stolpert man gelegentlich über einzelne Formulierungen, doch zunächst entwickelt sich die Handlung nachvollziehbar und bietet solide Spannung. Mit der Zeit häufen sich jedoch die merkwürdigen Sätze, die Fehler werden offensichtlicher, und bei mir schlich sich der Verdacht ein, dass eine automatisierte Übersetzung zumindest teilweise dafür verantwortlich sein könnte – obwohl im Buch immerhin gleich drei Übersetzer genannt werden.
Irgendwann habe ich aufgehört, die Fehler zu markieren, daher hier nur einige Beispiele: Ein Ritt ist keine „Fahrt“, Pferde „arbeiten“ nicht am Gras, ein Söldner sucht nicht nach dem nächsten „Beruf“, sondern nach dem nächsten Auftrag, und ein Türriegel wird vorgeschoben oder höchstens übergeworfen, aber nicht „weggeworfen“. Das sind noch die harmloseren Beispiele, denn leider gibt es auch ganze Sätze, die kaum Sinn ergeben. Ich weiß nicht, was hier schiefgelaufen ist, aber müsste ich raten, würde ich sagen: Das Budget fürs Lektorat ist ins Marketing geflossen.
Inhaltlich bietet Ward eine gelungene Heldinnenreise mit einer ausgewogenen Mischung aus actionreichen Kämpfen und knisternden Momenten zwischen den beiden Hauptfiguren. Das Spice-Level bewegt sich für meinen Geschmack im angenehmen Mittelfeld, und die Autorin nimmt sich für diese Szenen ausreichend Zeit, sodass sie sich organisch in die Handlung einfügen. Andere Elemente wirken dagegen eher wie aneinandergereihte Hindernisse auf dem Weg zum nächsten Level, während die Heldin nebenbei immer neue Fähigkeiten freischaltet. Sobald die Handlung komplizierter wird, geschieht oft ein Wunder. Manchmal funktioniert das gut – etwa bei dem Drachen, den Sorrel gerettet hat. Manchmal wirkt es jedoch zu bequem, beispielsweise als die von Sorrel geretteten Seelen plötzlich durch einen Spalt erscheinen, um Hilfe zu leisten. Trotz gelungenem Worldbuilding und interessanten Figuren offenbart die Geschichte somit auch einige erzählerische Schwächen.
Woran es dagegen kaum etwas auszusetzen gibt, ist die Aufmachung des Buches. Das Papier ist hochwertig, der lilafarbene Einband goldgeprägt, und auch der Farbschnitt ist – mit Ausnahme der Darstellung von Sorrel, die nur wenig Ähnlichkeit mit der Illustration im Vorsatz aufweist – sehr gelungen. Hinzu kommen ein illustriertes Vorsatzpapier, eine detailreiche Karte von Anathos sowie mehrere atmosphärische Zeichnungen zwischen den Kapiteln. Auch der Schutzumschlag ist ansprechend gestaltet und mit einem geprägten Titel versehen. Lediglich das Edelweißmotiv wirkt etwas deplatziert.
Insgesamt zählt CROWN OF WAR AND SHADOW für mich zu den schwächeren Büchern meines bisherigen Lesejahres. Vielleicht liegt das Urteil aber tatsächlich zu einem guten Teil an der Übersetzung. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, würde ich dem Original daher durchaus noch eine Chance geben.
Sorrel ist eine Heilerin mit besonderen Fähigkeiten, die schon so manchem Dorfbewohner buchstäblich ein neues Leben geschenkt hat. Doch in Anathos ist jegliche Magie verboten. Zwar wird Sorrel von den Menschen in ihrem Dorf geduldet, lebt jedoch als Ausgestoßene, deren Dienste eher nachts und durch die Hintertür in Anspruch genommen werden. Das Dorf liegt in der Nähe des Fulcrums, einer magischen Barriere, die den Dunklen König gefangen halten soll – zumindest erzählt man sich das. Doch die Barriere scheint zunehmend brüchig zu werden, und immer häufiger streifen Dämonen durchs Land. Die Angst der Menschen lässt sie grausam werden, und so findet sich Sorrel eines Abends mitten in einer Hexenjagd wieder. Daher fällt es ihr nicht schwer, die Hilfe des dunklen Fremden anzunehmen, zu dem sie sich seit seiner Ankunft ohnehin auf rätselhafte Weise hingezogen fühlt.
CROWN OF WAR AND SHADOW liest sich zu Beginn recht flüssig. Man findet gut in die Geschichte hinein, lernt Sorrel als schüchterne und einsame junge Frau kennen und verfolgt gespannt ihr Kennenlernen mit Merc, dem geheimnisvollen Fremden. Zwar stolpert man gelegentlich über einzelne Formulierungen, doch zunächst entwickelt sich die Handlung nachvollziehbar und bietet solide Spannung. Mit der Zeit häufen sich jedoch die merkwürdigen Sätze, die Fehler werden offensichtlicher, und bei mir schlich sich der Verdacht ein, dass eine automatisierte Übersetzung zumindest teilweise dafür verantwortlich sein könnte – obwohl im Buch immerhin gleich drei Übersetzer genannt werden.
Irgendwann habe ich aufgehört, die Fehler zu markieren, daher hier nur einige Beispiele: Ein Ritt ist keine „Fahrt“, Pferde „arbeiten“ nicht am Gras, ein Söldner sucht nicht nach dem nächsten „Beruf“, sondern nach dem nächsten Auftrag, und ein Türriegel wird vorgeschoben oder höchstens übergeworfen, aber nicht „weggeworfen“. Das sind noch die harmloseren Beispiele, denn leider gibt es auch ganze Sätze, die kaum Sinn ergeben. Ich weiß nicht, was hier schiefgelaufen ist, aber müsste ich raten, würde ich sagen: Das Budget fürs Lektorat ist ins Marketing geflossen.
Inhaltlich bietet Ward eine gelungene Heldinnenreise mit einer ausgewogenen Mischung aus actionreichen Kämpfen und knisternden Momenten zwischen den beiden Hauptfiguren. Das Spice-Level bewegt sich für meinen Geschmack im angenehmen Mittelfeld, und die Autorin nimmt sich für diese Szenen ausreichend Zeit, sodass sie sich organisch in die Handlung einfügen. Andere Elemente wirken dagegen eher wie aneinandergereihte Hindernisse auf dem Weg zum nächsten Level, während die Heldin nebenbei immer neue Fähigkeiten freischaltet. Sobald die Handlung komplizierter wird, geschieht oft ein Wunder. Manchmal funktioniert das gut – etwa bei dem Drachen, den Sorrel gerettet hat. Manchmal wirkt es jedoch zu bequem, beispielsweise als die von Sorrel geretteten Seelen plötzlich durch einen Spalt erscheinen, um Hilfe zu leisten. Trotz gelungenem Worldbuilding und interessanten Figuren offenbart die Geschichte somit auch einige erzählerische Schwächen.
Woran es dagegen kaum etwas auszusetzen gibt, ist die Aufmachung des Buches. Das Papier ist hochwertig, der lilafarbene Einband goldgeprägt, und auch der Farbschnitt ist – mit Ausnahme der Darstellung von Sorrel, die nur wenig Ähnlichkeit mit der Illustration im Vorsatz aufweist – sehr gelungen. Hinzu kommen ein illustriertes Vorsatzpapier, eine detailreiche Karte von Anathos sowie mehrere atmosphärische Zeichnungen zwischen den Kapiteln. Auch der Schutzumschlag ist ansprechend gestaltet und mit einem geprägten Titel versehen. Lediglich das Edelweißmotiv wirkt etwas deplatziert.
Insgesamt zählt CROWN OF WAR AND SHADOW für mich zu den schwächeren Büchern meines bisherigen Lesejahres. Vielleicht liegt das Urteil aber tatsächlich zu einem guten Teil an der Übersetzung. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, würde ich dem Original daher durchaus noch eine Chance geben.