Ein Buchladen, ein Fluch und eine Prinzessin mit akutem Zeremonienverschleiß

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besueandamy Avatar

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Die Leseprobe hat mich durchaus gut unterhalten – allerdings weniger, weil sofort wahnsinnig viel passiert, sondern weil die Erzählstimme angenehm eigenwillig ist. Tandy ist keine Prinzessin aus der Glitzerabteilung, sondern eher eine junge Frau mit höfischer Dauererschöpfung, zu engen Kleidern und einem sehr nachvollziehbaren Wunsch: bitte weniger Bankette, weniger Bänderdurchschneiden, weniger Gerste-Smalltalk – und dafür mehr Bücher.
Gerade dieser Kontrast funktioniert für mich gut. Nach außen ist Tandy privilegiert, pflichtbewusst und höflich dressiert, innerlich aber längst auf Fluchtmodus. Die Welt um sie herum ist charmant verschroben: Drakonen, Feen, Trug-Katzen, Magie-Schnüffler und ein Buchladen, der vermutlich schon aus hygienischen Gründen verflucht sein müsste. Das hat Witz, ohne komplett ins Klamaukige zu kippen.

Trotzdem braucht der Einstieg Geduld. Die Leseprobe räumt erst einmal sehr sorgfältig das royale Teeservice auf, bevor sie zur eigentlichen Geschichte kommt. Es gibt viele Ortsdetails, viele höfliche Gespräche und erstaunlich viel Schaf- und Gerstenkompetenz. Das ist atmosphärisch, ja – aber manchmal auch ein bisschen so, als würde die Handlung selbst noch im Korsett stecken und nur vorsichtig atmen dürfen.

Der Buchladen ist dann aber ein guter erzählerischer Köder. Er ist Zufluchtsort, Sehnsuchtsraum und Falle zugleich. Dass ausgerechnet Tandy, die vom ständigen Unterwegssein genug hat, plötzlich an einen Ort gebunden wird, den sie eigentlich liebt, ist eine schöne, fast gemeine Idee. Der Fluch wirkt dadurch nicht nur wie ein magisches Problem, sondern wie die Zuspitzung eines inneren Konflikts: Was passiert, wenn der eigene Herzenswunsch einen tatsächlich festhält?

Honeyrose gefällt mir bisher fast am besten. Sie ist trocken, streng, effizient und vermutlich kurz davor, aus reiner Prinzipientreue eine Beschwerde gegen das Schicksal einzureichen. Diese Dynamik zwischen ihr und Tandy bringt Tempo in Szenen, die sonst etwas zu gemütlich vor sich hinblättern würden.
Unterm Strich ist das für mich ein sympathischer, buchverliebter Fantasy-Auftakt mit hübschen Ideen, guter Stimme und etwas zu viel Anlauf. Noch bin ich nicht restlos verzaubert, aber ausreichend neugierig. Ich möchte wissen, ob dieser Buchladen wirklich Tandys Herzenswunsch ist – oder nur die hübsch möblierte Falle, die sie endlich zwingt, sich einen eigenen zu suchen.