Ein Roman über das Zurückbleiben und die Zurückgebliebenen nach einem Femizid
Ich kenne bisher alle Bücher von Jasmin Schreiber und habe mich umso mehr darauf gefreut, wieder etwas Neues von ihr zu lesen. Bei diesem Buch hatte ich aufgrund des Themas häusliche Gewalt und Femizid auch eine gehörige Portion Respekt vor dem Lesen.
Die schwangere Emma wird nach Jahren von Unterdrückung und Gewalt von ihrem Ehemann getötet. Es bleiben die neunjährige Tochter Maja, die beste Freundin Liv und ihre Eltern Brigitte und Per in einem unbegreiflichen Zustand zwischen Wut, Trauer, Hilflosigkeit und Schuld zurück. Das Buch nimmt in die Zeit nach diesem unbegreiflichen Verlust mit. Dabei lernen wir beim Lesen aus den unterschiedlichen Perspektiven der Hinterbliebenen die Geschichte und das Weiterleben kennen. Das Unfassbare setzt sich nach und nach aus der Perspektive der Hinterbliebenen zusammen. Dass der Täter, Frank, in diesem Buch keinen Raum bekommt, fand ich eine unglaublich gute und wichtige Entscheidung.
Beim Schreibstil kam direkt etwas Vertrautes „Jasmin Schreiber“-haftes für mich auf. Nicht zuletzt auch dadurch, dass es in allen Büchern ein naturwissenschaftliches Thema gab, das sich durch das gesamte Buch gezogen hat. Hier war es die Astrophysik, denn die beste Freundin Liv ist Astrophysikerin und findet unter anderem über dieses Thema einen Zugang zu Maja. Ganz besonders und beeindruckend fand ich die Vielfalt der Erzählzugänge, so finden sich z.b. Kinderzeichnungen von Maja, Gerichtsdokumente, Briefwechsel, Obduktionsbericht, Zeitungsartikel über den Roman hinweg. Für mich hat das noch einmal deutlicher gemacht, wie real das Thema patriarchaler und häuslicher Gewalt und Femizide ist - auch wenn es eine fiktive Erzählung ist, sie könnte genau so passieren und passiert täglich so ähnlich. Und auch dieser Wechsel zwischen emotionalem und sachlichen Zugang, der all die brutalen Widersprüche irgendwie greifbar macht, war für mich sehr beeindrucken.
Das Buch hat mich emotional sehr mitgenommen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal beim Lesen so viel geweint habe. Die Wut, die Hilflosigkeit, die Trauer, das Nichtwahrhaben-Wollen, die Selbstvorwürfe und Schulfragen – all das habe ich so sehr gefühlt und war nicht nur einmal beim Lesen an einem Punkt, an dem ich dachte, dass ich es nicht mehr aushalte. Insbesondere die Trauer, die Schuldgefühle, die Ängste und Panik aus Kinderperspektive sind für mich unglaublich treffend und gut gelungen. Auch die endlosen Fragen, was gewesen wäre, wenn sie in einer Situation anders reagiert hätten, werden aufgegriffen.
Mein erster Eindruck, dass das Buch sehr gut recherchiert ist, hat sich bestätigt, als Jasmin Schreiber auf einer Lesung von den Schreib-und Rechercheprozessen berichtet hat – vom Austausch mit einem Anwalt, Gerichtsmediziner, Astrophysikern, dem Recherchieren in Interviews aus Forschungsprojekten mit Kindern und Jugendlichen, die ähnliches wie Maja erlebt haben.
Ich habe durchaus einige Kritikpunkte, unter anderem ging mir das Ende zu schnell, zu gradlinig und abrupt. Da konnte das hohe Level an Emotionalität und Komplexität aus den vorigen 2/3 des Buches für mich nicht gehalten werden. Ich fand es gut, dass auf Hilfsangebote hingewiesen wird, mir war da im Gesamten der Fokus etwas sehr stark auf psychotherapeutischer Hilfe als einzig angemessene Form. Und am Ende werden Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt benannt: Unglaublich wichtig und passend, aber da wieder in der binären Aufteilung „Hilfsangebote für Frauen – Männer“. Mir ist das bei Jasmin Schreibers Büchern leider immer mal wieder unangenehm aufgefallen, dass ein sehr binäres Verständnis von Geschlecht vertreten wird.
Im Gesamten hat mich dieses Buch auf jeden Fall sehr beeindruckt. Es scheint erst einmal ein Thema, bei dem Worte fehlen und umso wichtiger ist es, sich nicht davor zu verstecken, sondern auf die Suche zu gehen und das hat Jasmin Schreiber getan.
Ich denke immer mal wieder an einzelne Passagen zurück und bin mir sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich dieses Buch gelesen habe. Vielen Dank für dieses unfassbar wichtige Buch!
Die schwangere Emma wird nach Jahren von Unterdrückung und Gewalt von ihrem Ehemann getötet. Es bleiben die neunjährige Tochter Maja, die beste Freundin Liv und ihre Eltern Brigitte und Per in einem unbegreiflichen Zustand zwischen Wut, Trauer, Hilflosigkeit und Schuld zurück. Das Buch nimmt in die Zeit nach diesem unbegreiflichen Verlust mit. Dabei lernen wir beim Lesen aus den unterschiedlichen Perspektiven der Hinterbliebenen die Geschichte und das Weiterleben kennen. Das Unfassbare setzt sich nach und nach aus der Perspektive der Hinterbliebenen zusammen. Dass der Täter, Frank, in diesem Buch keinen Raum bekommt, fand ich eine unglaublich gute und wichtige Entscheidung.
Beim Schreibstil kam direkt etwas Vertrautes „Jasmin Schreiber“-haftes für mich auf. Nicht zuletzt auch dadurch, dass es in allen Büchern ein naturwissenschaftliches Thema gab, das sich durch das gesamte Buch gezogen hat. Hier war es die Astrophysik, denn die beste Freundin Liv ist Astrophysikerin und findet unter anderem über dieses Thema einen Zugang zu Maja. Ganz besonders und beeindruckend fand ich die Vielfalt der Erzählzugänge, so finden sich z.b. Kinderzeichnungen von Maja, Gerichtsdokumente, Briefwechsel, Obduktionsbericht, Zeitungsartikel über den Roman hinweg. Für mich hat das noch einmal deutlicher gemacht, wie real das Thema patriarchaler und häuslicher Gewalt und Femizide ist - auch wenn es eine fiktive Erzählung ist, sie könnte genau so passieren und passiert täglich so ähnlich. Und auch dieser Wechsel zwischen emotionalem und sachlichen Zugang, der all die brutalen Widersprüche irgendwie greifbar macht, war für mich sehr beeindrucken.
Das Buch hat mich emotional sehr mitgenommen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal beim Lesen so viel geweint habe. Die Wut, die Hilflosigkeit, die Trauer, das Nichtwahrhaben-Wollen, die Selbstvorwürfe und Schulfragen – all das habe ich so sehr gefühlt und war nicht nur einmal beim Lesen an einem Punkt, an dem ich dachte, dass ich es nicht mehr aushalte. Insbesondere die Trauer, die Schuldgefühle, die Ängste und Panik aus Kinderperspektive sind für mich unglaublich treffend und gut gelungen. Auch die endlosen Fragen, was gewesen wäre, wenn sie in einer Situation anders reagiert hätten, werden aufgegriffen.
Mein erster Eindruck, dass das Buch sehr gut recherchiert ist, hat sich bestätigt, als Jasmin Schreiber auf einer Lesung von den Schreib-und Rechercheprozessen berichtet hat – vom Austausch mit einem Anwalt, Gerichtsmediziner, Astrophysikern, dem Recherchieren in Interviews aus Forschungsprojekten mit Kindern und Jugendlichen, die ähnliches wie Maja erlebt haben.
Ich habe durchaus einige Kritikpunkte, unter anderem ging mir das Ende zu schnell, zu gradlinig und abrupt. Da konnte das hohe Level an Emotionalität und Komplexität aus den vorigen 2/3 des Buches für mich nicht gehalten werden. Ich fand es gut, dass auf Hilfsangebote hingewiesen wird, mir war da im Gesamten der Fokus etwas sehr stark auf psychotherapeutischer Hilfe als einzig angemessene Form. Und am Ende werden Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt benannt: Unglaublich wichtig und passend, aber da wieder in der binären Aufteilung „Hilfsangebote für Frauen – Männer“. Mir ist das bei Jasmin Schreibers Büchern leider immer mal wieder unangenehm aufgefallen, dass ein sehr binäres Verständnis von Geschlecht vertreten wird.
Im Gesamten hat mich dieses Buch auf jeden Fall sehr beeindruckt. Es scheint erst einmal ein Thema, bei dem Worte fehlen und umso wichtiger ist es, sich nicht davor zu verstecken, sondern auf die Suche zu gehen und das hat Jasmin Schreiber getan.
Ich denke immer mal wieder an einzelne Passagen zurück und bin mir sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich dieses Buch gelesen habe. Vielen Dank für dieses unfassbar wichtige Buch!