Sehr eindringlich und intensiv

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hundeliebhaberin Avatar

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Das Leben der neunjährigen Maja ändert sich schlagartig, als ihr Vater ihre Mutter tötet und sie vorübergehend zu ihren Großeltern zieht und die Beziehung zu ihrer Patentante Liv, beste Freundin der Mutter, intensiviert. Ihr Papa war für Maja immer ein Held und wenn sie in den Spiegel blickt, sieht sie die Ähnlichkeit und zerstört daher sämtliche Spiegel im Haus.

Jasmin Schreiber schildert anhand der neunjährigen Maja, was nach einem Femizid mit den Hinterbliebenen geschieht. Da ist die Tochter, die zerrissen ist über die Wahrheiten, die sie über ihren Vater und ihre Mutter kennt, die sich Fragen nach Liebe und Schuld stellt. Da sind Eltern, die ihren Sohn nicht als Mörder sehen, Eltern, die um ihre ermordete Tochter trauern, eine beste Freundin, die die Gewalt unterschätzt hat, eine Gesellschaft, die von Femiziden gnadenlos überfordert ist und strukturelles Versagen seitens Behörden und Institutionen.

Durch die Erzählperspektive auf Maja wird die große Leere, das Loch, was entsteht, sehr deutlich. Sie wird zum Spielball innerhalb des Sorgerechtsstreits, muss mit sich selbst, den anderen Kindern und ihrem Verhältnis zu ihren Eltern klarkommen und sich orientieren. Außerdem muss sie einen Zugang zur Trauer finden, während um sie herum alle versuchen, irgendwie Halt zu finden.
Jasmin Schreiber schreibt eindringlich, intensiv und hat in mir sämtliche Gefühle und Emotionen geweckt. Der Roman ist an keiner Stelle reißerisch, sondern setzt dort an, wo Medienberichte in der Regel aufhören. Denn Femizide sind keine Familientragödien, geschehen nicht aus heiterem Himmel und hinterlassen überforderte Hinterbliebene. Anhand eines Beispiels wird beschrieben, wie sich Gewalt äußern, wie es zum Femizid kommen kann und wie es dazu kommt, dass dies viele Menschen nicht akzeptieren wollen.

Ein intensives Buch, das alle wichtigen Ebenen des Themenkomplexes thematisiert, anschaulich macht und das jede*r lesen sollte, um annähernd zu verstehen.