Unterwegs in unterschiedlichen Raumzeiten...

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
bibliophil04 Avatar

Von

Von der Autorin Jasmin Schreiber ist man tiefgründige Geschichten gewohnt. Sowohl in "Marianengraben" als auch "Der Mauersegler" thematisiert Schreiber den Umgang mit Trauer und Tod, in "Der Mauersegler" auch das Thema Schuld, auf ganz besondere Weise. Freundschaft und menschliche Beziehungen zueinander stehen hierbei teilweise auch auf unkonventionelle Weise im Mittelpunkt der Geschichten.
Auch in "Da, wo ich dich sehen kann" nähert sich Schreiber einem Thema, welches zwar in den Medien immer wieder präsent ist, aber zumeist nur aus der Perspektive der Täter betrachtet wird: Femiziden. Die Autorin richtet in ihrem Roman den Blick auf die Hinterbliebenen der Opfer und erzählt auf über 400 Seiten einfühlsam und eindrucksvoll, wie diese versuchen, im Alltag wieder Fuß zu fassen und sich doch in ganz unterschiedlichen Räumen bewegen. Dabei geht es nicht nur um Fragen der Schuld und des Versäumens, sonder auch um das Gefühl von Sicherheit, Hoffnung und Zukunft.
Stilistisch greift Schreiber hierbei sowohl auf Monologe sowie Dialoge zurück, die aus der Perspektive unterschiedlicher Personen geschrieben sind, aber auch auf Gerichtsurteile sowie teilweise auf abgewandelte Erzählstränge, die durch "schwarze Seiten" im Buch markiert werden. Auch einzelne Illustrationen der neunjährigen Tochter Maja finden sich im Buch, die auf graphisch-kindliche Perspektive die Gefühlswelt des Kindes verdeutlichen.
Der Buchumschlag fasst das Thema des Romans folgendermaßen zusammen: "Wenn jemand geht, fehlt nicht nur die Person, sondern auch ein Stück von jedem, der bleibt." Sicherlich richtig, aber vielleicht ließe sich hier noch ergänzen, dass das gesamte Buch auch als Erinnerung daran zu verstehen ist, seinen Mitmenschen gegenüber Aufmerksamkeit zu schenken und sich manchmal vielleicht auch ein bisschen mehr um einander zu kümmern.