Was bleibt, wenn alles vorbei scheint
Dieses Buch hat mich auf eine unbequeme, nachhaltige Weise getroffen.
Nicht wegen expliziter Gewalt oder dramatischer Zuspitzung, sondern weil es genau dort ansetzt, wo mediale Aufmerksamkeit meist endet: NACH einem Femizid.
Im Zentrum steht Maja, die Tochter der Getöteten. Ein echtes Papa-Kind. Und genau darin liegt die Brutalität dieses Romans: Der Vater, ihr Held, hat ihre Mutter ermordet. Was mich dabei besonders mitgenommen hat, ist wie realistisch Jasmin Schreiber die innere Zerrissenheit ausarbeitet. Maja sieht ihrem Vater äußerlich ähnlich. So ähnlich, dass sie ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr erträgt. Sie zerstört alle Spiegel im Haus ihrer Großeltern, weil sie in ihrem eigenen Gesicht nur noch den Täter erkennt. Dieses Bild hat sich wahrscheinlich für immer in mein Hirn gebrannt.
Der Roman erzählt aber nicht nur aus Majas Perspektive, sondern wechselt zwischen ihr, den Großeltern mütterlicherseits und Liv, der besten Freundin der Mutter. Alle eint der Versuch, für Maja stark zu sein. Und alle haben das Gefühl zu scheitern. Was das Buch dabei schonungslos offenlegt ist, dass jede*r isoliert trauert. Jede*r trägt Schuldgefühle mit sich herum. Jede*r fragt sich, an welchem Punkt man hätte eingreifen müssen und eine der stärksten Aussagen des Romans war für mich: Es gibt nicht DIE EINE verpasste Schlüsselsituation, die alles hätte ändern können.
Auffällig und wohltuend zugleich ist, dass mediale Berichterstattung kaum eine Rolle spielt. Stattdessen bleibt der Fokus konsequent auf dem inneren Chaos der Hinterbliebenen. Während gesellschaftlich oft gilt: Tat passiert, Täter verurteilt, Fall abgeschlossen, zeigt dieser Roman das Gegenteil. Mit einer Verurteilung endet nichts. Für die Hinterbliebenen beginnt erst dann ein lebenslanges Ringen mit Verlust, Schuld, Loyalität und Trauma.
Für mich liegt die größte Stärke dieses Buches in seiner klaren Haltung: Femizid ist Mord. Kein „Beziehungsdrama“. Kein „Familiendrama“. Keine tragische Verkettung unglücklicher Umstände. Diese Begriffe verharmlosen und genau das tut dieser Roman nicht.
„Da wo ich dich sehen kann“ ist kein leichtes Buch aber es schaut hin, wo wir als Gesellschaft oft wegsehen. Und es lässt einen nicht mit dem Gefühl zurück, etwas „abgeschlossen“ zu haben sondern mit der unbequemen Erkenntnis, dass manche Geschichten nie enden.
Im Zentrum steht Maja, die Tochter der Getöteten. Ein echtes Papa-Kind. Und genau darin liegt die Brutalität dieses Romans: Der Vater, ihr Held, hat ihre Mutter ermordet. Was mich dabei besonders mitgenommen hat, ist wie realistisch Jasmin Schreiber die innere Zerrissenheit ausarbeitet. Maja sieht ihrem Vater äußerlich ähnlich. So ähnlich, dass sie ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr erträgt. Sie zerstört alle Spiegel im Haus ihrer Großeltern, weil sie in ihrem eigenen Gesicht nur noch den Täter erkennt. Dieses Bild hat sich wahrscheinlich für immer in mein Hirn gebrannt.
Der Roman erzählt aber nicht nur aus Majas Perspektive, sondern wechselt zwischen ihr, den Großeltern mütterlicherseits und Liv, der besten Freundin der Mutter. Alle eint der Versuch, für Maja stark zu sein. Und alle haben das Gefühl zu scheitern. Was das Buch dabei schonungslos offenlegt ist, dass jede*r isoliert trauert. Jede*r trägt Schuldgefühle mit sich herum. Jede*r fragt sich, an welchem Punkt man hätte eingreifen müssen und eine der stärksten Aussagen des Romans war für mich: Es gibt nicht DIE EINE verpasste Schlüsselsituation, die alles hätte ändern können.
Auffällig und wohltuend zugleich ist, dass mediale Berichterstattung kaum eine Rolle spielt. Stattdessen bleibt der Fokus konsequent auf dem inneren Chaos der Hinterbliebenen. Während gesellschaftlich oft gilt: Tat passiert, Täter verurteilt, Fall abgeschlossen, zeigt dieser Roman das Gegenteil. Mit einer Verurteilung endet nichts. Für die Hinterbliebenen beginnt erst dann ein lebenslanges Ringen mit Verlust, Schuld, Loyalität und Trauma.
Für mich liegt die größte Stärke dieses Buches in seiner klaren Haltung: Femizid ist Mord. Kein „Beziehungsdrama“. Kein „Familiendrama“. Keine tragische Verkettung unglücklicher Umstände. Diese Begriffe verharmlosen und genau das tut dieser Roman nicht.
„Da wo ich dich sehen kann“ ist kein leichtes Buch aber es schaut hin, wo wir als Gesellschaft oft wegsehen. Und es lässt einen nicht mit dem Gefühl zurück, etwas „abgeschlossen“ zu haben sondern mit der unbequemen Erkenntnis, dass manche Geschichten nie enden.