Ein Hoch auf die Freundschaft

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Die drei Frauen Merle, Katharina und Henri waren im Studium unzertrennlich. Doch nun übernimmt der Alltag: Merle hat ein Baby bekommen, Henri will ein eigenes Kino eröffnen und Katharina hadert mit ihrer Beziehung und was eine Trennung mit Anfang 30 für sie bedeutet. Sie alle haben nun unterschiedliche Themen und Lebensschwerpunkte und Jette Kötschau schreibt darüber, wie sich Freundschaften in den Dreißigern verändern.

Dieses Buch passt gerade hervorragend in meine Lebensrealität, denn auch ich bin Anfang 30 und merke natürlich, wie sich die Schwerpunkte im Freundeskreis verschieben. Am meisten hat mich Merles Perspektive angesprochen, denn diese Einsamkeit zu Beginn der Mutterschaft hatte mich damals auch umgehauen. Wie man die Rückkehr des Partners von der Arbeit herbeisehnt und nachts neidisch ist, weil man stillen muss und sich nicht einfach weg drehen kann. Wie man pausenlos mit dem Baby beschäftigt ist, alles mögliche googlet und sich so sehr auf dieses Wesen konzentriert, dass man sich selbst gar nicht mehr spürt und sofort Leere und das Gefühl des Wartens verspürt, wenn das Kind denn dann mal schläft. Aber auch der Stolz und die Freude, die man beim bloßen Anblick des Kindes empfindet. Diese komplementären Gefühle und die Zeit der Umstellung hat Jette Kötschau einfach wunderbar eingefangen und in Worte gepackt und das ist wahrlich keine leichte Aufgabe!

Auch mit Katharina konnte ich sehr mitfiebern. Ihre Kapitel stellen mehr in den Vordergrund, wie ihre schon sehr lange bestehende Beziehung ihr Leben beeinflusst und vielleicht auch bremst. Die Fragen danach, was sie wirklich will, wo sie sich in ein paar Jahren sieht und vor allem, wie sie dort hinkommt, beschäftigen sie tagtäglich.

Henri ist wieder ein Gegenentwurf. Sie ist sich vollkommen klar darüber, was sie gerne möchte, nämlich: Ein eigenes Kino eröffnen! Doch auch das ist gar nicht so einfach, von der Immobiliensuche in Köln bis zur Finanzierung steht sie vor einigen Aufgaben. Als dann auch noch ihre Großmutter stirbt und sie sich mit ihrer Familie bzw. vor allem ihrer Mutter auseinandersetzen muss, werden wieder einige neue Aspekte in die Story eingebracht, die noch einmal zeigen, wie unterschiedlich das Leben von ähnlich alten und sozialisierten Frauen sein kann.

Gerade das fand ich sehr gut umgesetzt. Natürlich kann man mit drei Perspektiven keinen Rundumblick schaffen, doch ich empfand alle als sehr authentisch. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, auch wenn man das nicht immer auf den ersten Blick vermutet.

Das Buch dreht sich aber nicht nur um die einzelnen Themen der drei Frauen, sondern vor allem um deren Freundschaft. Die drei verlieren sich ein wenig aus den Augen, denn gerade das Kinderthema ordnet die Beziehung der Frauen nochmal neu. Letztlich ist das Buch aber ein Plädoyer für Verständnis, Zuhören, Präsent sein. Und ein super Anstoß dazu, eigene Freunde oder Bekannte doch mal wieder anzurufen oder anzuschreiben.

Den Schreibstil empfand ich als flott und modern, aber mit detaillierten Beobachtungen, durch die man sich sehr gut die Atmosphäre und die Gefühle der Figuren vorstellen kann. Mit allen Figuren geht die Autorin sehr einfühlsam um. Teilweise brauchte ich ein paar Kapitel, um mit Katharina und Henri warm zu werden, vielleicht kam mir das aber auch nur so vor, weil Merles Perpsektive mir von Anfang an aus der Seele gesprochen hat. Insgesamt ein ganz tolles Buch, gerade für Millenial-Frauen!

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar :)