Empathisch und nahbar ohne unnötiges Drama

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
auszeit_lesen Avatar

Von

4,5 Sterne

Worum geht’s?

Drei Freundinnen, drei verschiedene Leben. Im Studium waren Henri, Merle und Katharina unzertrennlich. Doch jetzt mit Dreißig führen alle komplett unterschiedliche Leben: Henri verfolgt ihren Traum eines eigenen Kinos und findet immer eine Party, Merle ist Mutter geworden und baut ein Haus außerhalb der Stadt und Katharina träumt davon Mutter zu werden, ist sich bei ihrem Partner aber nicht mehr sicher. Wie kann so eine Freundschaft noch Bestand haben?

Wie war’s?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nach den ersten 50 Seiten nicht das Gefühl hatte, dass mich das Buch überzeugen können wird. Viel mehr als das Freundschaftsthema empfand ich vor allem die Themen Kinderwunsch und Mutterschaft im Vordergrund. Aber dann hatte mich das Buch doch! Denn ja, das sind nun mal Aspekte, die große Veränderungen im Leben bedeuten und sich damit auch auf das Umfeld und die bestehenden Freundschaften auswirken. Und für mich zumindest gab es hier sehr viele Wiedererkennungsmerkmale und auch die ein oder andere Selbsterkenntnis. Henri, Merle und Katharina sind völlig unterschiedlich, aber Jette Kötschau gelingt es auf empathische Weise alle drei Lebensentwürfe mit ihren Höhen und besonders den Tiefen sehr real und wertfrei nebeneinander existieren zu lassen. Dafür waren die abwechselnden POVs sinnvoll gewählt.

Obwohl der Roman weder besonders aufregend, noch überaus emotional ist, hat er mich am Ende doch irgendwie sehr berührt. Und ich glaube, dass genau hierin die besondere Stärke dieses Buches lieg: In den alltäglichen Szenen und Problemen, die jede von uns nur allzu gut kennt. Dadurch schafft es viele Berührungspunkte, ohne zusätzliches Drama. Für mich wird es noch eine Weile nachhallen.