Raabe-typisch fesselnd, aber mit einigen Logiklöchern und Fragezeichen

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chaosbaerchen Avatar

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Der Schreibstil von Melanie Raabe ist wie gewohnt stark und zieht einen sofort in die Geschichte. Die Ausgangslage um Luca Palmer, eine toughe 34-Jährige, die Krav Maga beherrscht und sich zur Rächerin für Shitstorm-Opfer aufschwingt, verspricht viel Dynamik – wirft aber bei mir auch moralische und logische Fragen auf.

Einerseits überzeugt das hohe Tempo: Der Verlust ihrer Einbruchstasche samt Terrarium beim ersten Versuch wird rasch überspielt, und schon folgt der nächste Einsatz im Altbau.
Doch hier wird es ethisch grenzwertig: Eine Anaphylaxie-Drohung mit Erdnüssen einzusetzen, wirkt extrem makaber, da eine solche allergische Reaktion unkontrollierbar und tödlich sein kann.

Auch logisch bleiben bei mir nach der Leseprobe einige Zweifel zurück:
Lässt sich ein modernes Auto wirklich noch so leicht kurzschließen?
Und wieso hat Luca trotz überschaubarem Arbeitspensum keine Zeit für ihre Freundin Nour, springt aber spontan für ihren Chef mit Sommergrippe ein?

Die Rückblende zu ihrem 17-jährigen Ich und den Krähen über dem Fünf-Meter-Turm wirkt zudem noch sehr skurril – hier hoffe ich sehr, dass der spätere Roman diese Symbolik noch aufgreift.

Dass am Ende die Plakate auftauchen, zeigt zum Glück: Luca ist keineswegs unantastbar oder unsichtbar. Die Jagd auf sie hat begonnen.

FAZIT

Trotz einiger Ungereimtheiten, namenkundlicher Eigenheiten („Luca“ als weiblicher Name in diesem Setting) und ethischer Bedenken bezüglich Lucas Rachefeldzügen bin ich neugierig geworden. Wer Melanie Raabe mag, bekommt hier gewohnt atmosphärischen Stoff. Ich würde dem Roman definitiv eine Chance geben wollen!