Eine Rächerin wird gejagt

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ninaschi Avatar

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Melanie Raabe gehört seit einiger Zeit zu meinen Lieblingsautorinnen. Vor allem, weil sie etwas kann, das mir bei Thrillern oft fehlt: Figuren erschaffen, die weit über ihre Funktion innerhalb einer spannenden Handlung hinausgehen. Und auch in DAISY ist ihr das wieder unglaublich gut gelungen.

Luca bzw. ihr alter Ego Daisy, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zur Rechenschaft zu ziehen, die anderen Böses angetan haben und damit davongekommen sind. Allein diese Prämisse fand ich großartig. Eine selbst ernannte Rächerin, die dort eingreift, wo die Gerechtigkeit versagt.

Und tatsächlich sind es vor allem die Figuren, die mir in Erinnerung bleiben werden. Daisy selbst, aber auch ihr älterer Freund Walther, sind so liebevoll und vielschichtig gezeichnet, dass man ihnen beim Lesen unglaublich nahekommt. Ihre Eigenheiten, ihre Gedanken, die kleinen Zwischentöne in ihren Beziehungen. Das ist für mich eine der großen Stärken von Melanie Raabe, und darin hat sie mich auch diesmal nicht enttäuscht.

DAISY habe ich weniger als Thriller und mehr als Roman gelesen. Einen Roman mit Thrillerelementen, die gerade zum Ende hin deutlich an Fahrt aufnehmen. Was mich aber überrascht hat: Wie konstruiert sich die Handlung für mich stellenweise angefühlt hat. Ich hatte immer wieder das Gefühl, die Autorin beim Konstruieren der Geschichte regelrecht beobachten zu können. Als würde ich die erzählerischen Entscheidungen dahinter erkennen, statt mich ganz selbstverständlich von ihnen mitnehmen zu lassen. Das kenne ich von ihren anderen Büchern anders. Da wirkte vieles auf mich müheloser, organischer, fast schon beiläufig raffiniert.

Auch hätte ich mir gewünscht, dass die eigentliche Prämisse mehr Raum bekommt. Diese Idee einer Frau, die sich an Menschen rächt, die ungestraft davongekommen sind, hätte für mich so viel Potenzial gehabt. Stattdessen verschiebt sich der Fokus zunehmend auf ein Katz-und-Maus-Spiel und die Aufarbeitung vergangener Traumata. Beides ist nicht uninteressant, aber ich hätte Luca/Daisy einfach gerne noch länger bei dem begleitet, was sie ursprünglich so faszinierend gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, die Autorin hatte diese Idee eines Thrillers, ist beim Schreibprozess aber dann eventuell ungewollt stark abgewichen.

Und trotzdem habe ich das Buch wieder innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Denn auch wenn mich diesmal nicht jede erzählerische Entscheidung überzeugen konnte, kann Melanie Raabe einfach schreiben. Sie versteht es, Neugier zu wecken, Figuren lebendig werden zu lassen und einen immer noch ein Kapitel weiterlesen zu lassen. Daisy und Walther würde ich jederzeit wieder begegnen wollen.