Dieses Spiel fühlt sich größer an als alles andere

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frieda500 Avatar

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Ganz ehrlich? Dieses Buch hatte mich schon beim ersten Satz. „Nicht du bestimmst das Spiel. Das Spiel bestimmt dich.“ – allein das ist schon so eine Ansage. Und dann dieses Cover. Dunkel, ornamental, fast schon hypnotisch mit der Sanduhr in der Mitte. Es schreit förmlich: Hier stimmt etwas nicht. Und ich liebe ja Bücher, bei denen man von Anfang an spürt, dass sie einen in ein Labyrinth ziehen wollen.

Der Einstieg mit der Ausschreibung der Louisiana-Veda-Stiftung hat sofort meine Neugier geweckt. Ein Praktikum. 2000 Pfund pro Woche. Klingt erstmal fast nüchtern – bis zu dieser einen Frage: „Wofür würden Sie töten?“ Und spätestens da war klar, dass das hier alles andere als ein normales Bewerbungsverfahren ist. Allein dieser Kontrast zwischen „Allgemeine Bürotätigkeiten“ und dieser existenziellen Frage ist so herrlich verstörend.

Dia als Protagonistin mochte ich direkt. Sie ist kein typisches Wunderkind, kein Social-Media-Genie, kein musikalisches Ausnahmetalent – sondern ein Mädchen mit Antiquitätenladen, einem Hang zu altmodischen Ausdrücken und einem Notendurchschnitt, der sie selbst zweifeln lässt. Und genau das macht sie für mich spannend. Diese Selbstironie, dieses Wissen darum, dass sie eigentlich nicht in die Liga ihrer Mitbewerber gehört – und trotzdem dieser brennende Wunsch, Teil von etwas Größerem zu sein. Ich konnte das so gut nachvollziehen.

Besonders gefallen hat mir, wie obsessiv sie sich mit Louisiana Veda beschäftigt. Diese Mischung aus Bewunderung und Skepsis, dieses Gefühl, dass an der ganzen Sache etwas nicht stimmt – das baut eine unterschwellige Spannung auf, die sich durch die gesamte Leseprobe zieht. Dia kennt Vedas Spiele, ihre Legende, ihre Skandale, ihre Genialität. Und genau deshalb merkt sie, dass diese Stiftung irgendwie nicht nach der echten Veda klingt. Dieses Misstrauen fand ich unglaublich klug inszeniert.

Und dann dieses Detail mit den „Tücklingen“. Dass nur Bewerbungen von Tücklingen akzeptiert werden – also von Manipulatoren, Strategen, Menschen, die lügen und gewinnen – das ist so provokant. Es fühlt sich an wie eine versteckte Einladung in ein Spiel, das längst begonnen hat, ohne dass es jemand merkt.

Der Schreibstil ist intensiv, fast ein bisschen überbordend, aber auf eine gute Art. Es ist bildgewaltig, clever und manchmal fast schon leicht ironisch. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, dass zwischen den Zeilen noch etwas mitschwingt. Dass ich aufpassen muss. Dass jedes Detail später wichtig werden könnte. Und genau dieses Gefühl liebe ich bei Thrillern.

Auch Dias Familienumfeld fand ich spannend. Der Antiquitätenladen „Prologus“, der zwischen Teppichgeschäft und Asia-Imbiss eingeklemmt ist, ihre leicht chaotische Mutter, die viel zu große Einkäufe tätigt – das alles gibt der Geschichte etwas Bodenständiges, fast Skurriles, bevor sie vermutlich ins komplett Dunkle kippt. Dieser Kontrast zwischen dem leicht schrulligen Alltag und dem potenziell tödlichen Spiel, das sich ankündigt, funktioniert für mich richtig gut.

Was mich besonders gepackt hat, ist die schiere Größe der Konkurrenz. Über 400.000 Bewerbungen. Jugendliche Genies aus aller Welt. Und mittendrin Dia, die sich selbst als „Omi aus Missouri“ sieht. Dieser Gedanke, gegen eine solche Masse anzutreten, hat sofort Druck erzeugt. Man spürt förmlich, wie wichtig ihr dieses Praktikum ist – nicht nur als Job, sondern als Ausbruch, als Bestimmung, als vielleicht einzige Chance.

Und obwohl die Leseprobe noch nicht auf der Insel angekommen ist, hängt dieses Versprechen schon wie eine dunkle Wolke über allem. Eine abgelegene Insel. Ein Spiel auf Leben und Tod. Ein Vermächtnis. Ich will unbedingt wissen, wie aus dieser scheinbar nüchternen Bewerbungssituation ein echtes Darkly-Spiel wird – und vor allem, wer hier eigentlich wirklich die Fäden zieht.

Für mich ist diese Leseprobe der perfekte Auftakt zu einem Thriller, der klug, atmosphärisch und vermutlich ziemlich twistreich wird. Sie wirft genug Fragen auf, um sofort weiterlesen zu wollen, ohne zu viel zu verraten. Und dieses Gefühl, dass das Spiel längst begonnen hat, obwohl Dia es noch gar nicht realisiert – das lässt mich jetzt schon nicht mehr los.

Ich bin extrem gespannt, wie brutal, wie psychologisch und wie überraschend das Ganze noch wird. Wenn die Geschichte das Versprechen der ersten Kapitel hält, dann könnte das richtig groß werden. Und ich möchte unbedingt herausfinden, ob Dia wirklich eine Tückling ist – oder ob das Spiel sie verschlingen wird.