Spannend

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„Darkly“ überzeugt zunächst mit einer wirklich originellen und ungewöhnlichen Grundidee, die sofort neugierig macht. Schon nach wenigen Seiten zieht einen die geheimnisvolle Atmosphäre in ihren Bann. Die Mischung aus Rätseln, unterschwelliger Spannung und vielen kleinen Hinweisen sorgt dafür, dass man ständig miträtseln möchte und unbedingt herausfinden will, was wirklich hinter dem Spiel steckt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 17-jährige Dia, die unbedingt einen Platz bei einer geheimnisvollen Stiftung ergattern möchte. Diese verwaltet das Vermächtnis der legendären Spieleentwicklerin Veda, die für ihre düsteren und komplexen Spiele berühmt war. Schon früh wird jedoch klar, dass es sich bei diesem vermeintlichen Praktikum um weit mehr als eine gewöhnliche Chance handelt. Dia und einige andere Jugendliche geraten zunehmend in eine Situation, die selbst wie eines dieser rätselhaften Spiele wirkt.

Die Handlung entwickelt sich dabei weniger wie ein klassischer Thriller, sondern vielmehr wie ein vielschichtiges Rätsel. Stück für Stück werden Hinweise, Geheimnisse und mögliche Wahrheiten enthüllt, nur um kurz darauf wieder infrage gestellt zu werden. Als Leser wird man immer wieder dazu eingeladen, mitzudenken und sich zu fragen, was wirklich passiert und wem man trauen kann.

Besonders gut gelungen ist die leicht unheimliche Atmosphäre, die sich durch das gesamte Buch zieht. Das Setting mit der geheimnisvollen Insel, verlassenen Orten, einer düsteren Fabrik und einer mysteriösen Villa passt perfekt zur Geschichte und verstärkt das Gefühl, selbst Teil dieses Spiels zu sein. Auch die vielen Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung über weite Strecken erhalten bleibt und man selten vorhersagen kann, wie es weitergeht.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Gestaltung des Buches. Immer wieder finden sich zusätzliche Elemente wie Zeitungsausschnitte, Briefe, Bilder oder Skizzen im Text. Diese machen die Geschichte lebendiger und laden dazu ein, selbst nach Hinweisen zu suchen. Besonders spannend ist es, im Laufe der Handlung nach und nach die Bedeutung der verschiedenen Symbole zu erkennen. Auch das Cover und der Farbschnitt sind sehr gelungen und vermitteln bereits optisch eine geheimnisvolle, leicht düstere Stimmung.

Der Schreibstil ist insgesamt angenehm, flüssig und gut lesbar. Durch die eher kurzen Kapitel kommt man schnell voran und die Geschichte bleibt durchgehend spannend. An einigen Stellen wirkt der Stil allerdings etwas stockend, was den Lesefluss gelegentlich unterbricht.

Mit der Hauptfigur Dia konnte ich gut mitfühlen. Sie wirkt sympathisch, klug, mutig und hinterfragt vieles, anstatt alles einfach hinzunehmen. Dadurch hebt sie sich positiv von manchen typischen Figuren des Genres ab. Die Nebenfiguren hingegen bleiben teilweise etwas oberflächlich und lange sehr undurchschaubar. Einerseits passt das gut zur Atmosphäre des Misstrauens, andererseits fällt es dadurch manchmal schwer, eine stärkere Verbindung zu ihnen aufzubauen. Auch die angedeuteten romantischen Elemente wirken nicht besonders ausgearbeitet und tragen nur wenig zur Geschichte bei.

Ein kleiner Kritikpunkt ist außerdem, dass die Handlung zwischendurch recht komplex und teilweise etwas verwirrend wird. Gerade wenn neue Hintergründe oder Elemente eingeführt werden, hätte ich mir stellenweise klarere Erklärungen gewünscht. Manchmal wirkt die Geschichte dadurch etwas überladen und es erfordert Aufmerksamkeit, um den Überblick zu behalten.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte jedoch noch einmal deutlich an Fahrt auf. Die Spannung steigt, viele Ereignisse spitzen sich zu und das Finale sorgt noch einmal für einige überraschende Wendungen.