Atmosphärisches, mythologisch dichtes Epos.

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marie_d Avatar

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„Das Buch der gefallenen Blätter“ ist ein japanischer Fantasyroman, der mich vor allem durch seine besondere Atmosphäre und die Einflüsse der japanischen Mythologie begeistern konnte. Die Geschichte entführt einen in eine geheimnisvolle Fantasywelt und begleitet verschiedene Figuren, deren Beziehungen, Hintergründe und die Geschichte dieser Welt sich erst nach und nach erschließen. Viel mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht verraten, da gerade die vielen offenen Fragen und Geheimnisse für mich einen großen Teil des Leseerlebnisses ausgemacht haben. Auch das Cover hat mir gut gefallen, da es für mich die geheimnisvolle und etwas düstere Stimmung des Romans gut widerspiegelt und neugierig auf die Geschichte macht.

Der Einstieg in das Buch ist mir allerdings nicht ganz leichtgefallen. Der Schreibstil war mir zunächst etwas zu trocken und abgehackt, wodurch ich nicht sofort in die Geschichte hineingefunden habe. Dazu kommt, dass die Charaktere für meinen Geschmack zu wenig eingeführt werden. Gerade zu Beginn musste ich deshalb häufiger in der Übersicht nachschauen, um wieder einordnen zu können, wer welche Rolle spielt und in welcher Beziehung die einzelnen Figuren zueinanderstehen. Auch die Hintergrundgeschichte der Welt hätte für mein grundlegendes Verständnis meiner Meinung nach schon früher vermittelt werden können. Viele Zusammenhänge werden erst nach und nach deutlich, sodass ich während des Lesens immer wieder das Gefühl hatte, dass mir noch wichtige Puzzleteile fehlen. Besonders die verschiedenen Erzählperspektiven und Zeitsprünge haben dazu beigetragen. Vieles davon ergibt für mich vermutlich erst dann vollständig Sinn, wenn die Geschichte tatsächlich noch in weiteren Teilen fortgesetzt wird.

Auch mit den Figuren hatte ich deshalb anfangs meine Schwierigkeiten. Durch die eher knappe Einführung fiel es mir nicht immer leicht, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen oder ihre Beziehungen untereinander direkt zu verstehen. Trotzdem fand ich die Charaktere interessant und hatte das Gefühl, dass hinter vielen von ihnen noch deutlich mehr steckt, als man zunächst erfährt. Genau dieses Gefühl hat meine Neugier auf die weitere Geschichte geweckt.

Trotz all dieser Kritikpunkte mochte ich das Buch insgesamt sehr gerne. Sobald ich einmal richtig in der Geschichte angekommen war, konnte ich mich wunderbar darin verlieren. Besonders die Atmosphäre hat für mich einen großen Teil des Leseerlebnisses ausgemacht. Der Roman hat etwas Geheimnisvolles, Fremdartiges und stellenweise Düsteres, das mich sehr angesprochen hat. Ein ganz besonderer Pluspunkt waren für mich die Elemente der japanischen Mythologie und Kultur. Ich bin ein großer Fan der japanischen Mythologie und fand es daher unglaublich interessant, wie diese Einflüsse in die Fantasygeschichte eingebunden wurden. Sie haben dem Buch für mich etwas Besonderes gegeben und waren einer der Hauptgründe, weshalb ich trotz meiner anfänglichen Schwierigkeiten so gerne weitergelesen habe.

Allerdings habe ich auch gemerkt, dass das Buch für mich am besten funktioniert, wenn ich möglichst kontinuierlich darin lese. Sobald ich mehrere Tage Pause gemacht habe, musste ich mich erst wieder in der Welt, den Charakteren und den verschiedenen Zusammenhängen zurechtfinden. Durch die vielen Figuren, offenen Fragen und erzählerischen Sprünge war es für mich nicht immer einfach, nach einer längeren Pause wieder direkt in die Geschichte einzutauchen. Wenn ich jedoch im Lesefluss geblieben bin, konnte ich mich sehr gut auf die Welt einlassen und habe die Geschichte wirklich gerne gelesen.

„Das Buch der gefallenen Blätter“ ist für mich deshalb kein perfektes Buch, aber eines, das mir trotz seiner Schwächen sehr viel Freude bereitet hat. Besonders die Atmosphäre, die japanisch-mythologischen Elemente und das Gefühl, dass hinter der Geschichte noch so viel mehr verborgen liegt, haben mich begeistert. Ich würde das Buch daher vor allem Leser*innen empfehlen, die atmosphärische Fantasy mögen, sich gerne auf komplexe und zunächst etwas undurchsichtige Welten einlassen und ein besonderes Interesse an japanischer Mythologie und Kultur haben. Wer hingegen eine Geschichte sucht, die sich schnell und unkompliziert erschließt und bei der die Figuren und Hintergründe von Anfang an ausführlich erklärt werden, könnte mit dem Einstieg Schwierigkeiten haben. Für mich war es letztendlich eine Geschichte, in der ich mich sehr gerne verloren habe – solange ich nicht zu lange daraus aufgetaucht bin.