Ein gewaltiges Fantasy-Epos mit kleinen Längen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
suzy27 Avatar

Von

Das Buch der gefallenen Blätter entführt in eine von Japan inspirierte Welt voller verfeindeter Clans, politischer Intrigen, Götter und rachsüchtiger Dämonen. Besonders das atmosphärische Worldbuilding hat mich beeindruckt. Die Welt wirkt sehr lebendig und besitzt eine eigene Geschichte, Religion und Kultur, in die ich immer tiefer eintauchen wollte.

Sen und Rui sind zwei sehr unterschiedliche, aber interessante Hauptfiguren. Während Sen unbedingt die Ehre seiner Familie wiederherstellen möchte, sucht Rui noch nach ihrem Platz in der Welt. Beide treffen Entscheidungen, die ich nicht immer gutheißen konnte, die sie aber gerade dadurch menschlich und glaubwürdig machten. Besonders spannend fand ich die Frage, wie weit man für Familie, Rache und Macht gehen darf, bevor man selbst zu dem wird, was man eigentlich bekämpfen wollte.

Ganz leicht fiel mir der Einstieg allerdings nicht. Die vielen Figuren, Clans und politischen Verbindungen verlangten einiges an Aufmerksamkeit, und gerade in der ersten Hälfte entwickelte sich die Handlung teilweise recht langsam. Dafür wurde ich später mit dramatischen Entwicklungen, emotionalen Momenten und eindrucksvollen Kämpfen belohnt. Die Verbindung aus Kriegsgeschichte und japanisch inspirierter Mythologie hat dem Roman eine ganz besondere Atmosphäre gegeben.

Für mich ist das Buch kein Fantasyroman für zwischendurch, sondern eine komplexe Geschichte, auf die man sich bewusst einlassen muss. Wer epische Fantasy, politische Intrigen und moralisch vielschichtige Charaktere liebt, dürfte hier genau richtig sein. Trotz kleiner Längen bin ich sehr gespannt, wie es nach diesem Auftakt weitergeht.