Gutes Buch
Was mir bei „Das Buch der gefallenen Blätter“ als Erstes aufgefallen ist, ist die unglaublich ausführliche und komplexe Welt, die hier geschaffen wurde. Es gibt verschiedene Clans, politische Interessen, Hierarchien und ganz unterschiedliche Vorstellungen von Loyalität und Ehre. Dazu kommen Götter, Geister und Dämonen, deren Bedeutung sich erst nach und nach erschließt. Gerade diese Mischung hat für mich einen großen Teil des Reizes ausgemacht.
Allerdings ist das Worldbuilding gleichzeitig auch das, was den Einstieg nicht ganz einfach macht. Es gibt unzählige Namen, Familien und politische Verbindungen, die man zunächst sortieren muss. Ich hatte deshalb gerade am Anfang immer wieder das Gefühl, mich erst einmal zurechtfinden zu müssen. Auch die verschiedenen Perspektiven haben dazu beigetragen, dass ich nicht immer problemlos im Lesefluss geblieben bin.
Im Zentrum der Geschichte stehen unter anderem Sen und Rui. Obwohl beide mit Verlust, Erwartungen und ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen haben, könnten ihre Ausgangssituationen kaum unterschiedlicher sein. Sen stammt aus einem mächtigen Clan und muss mit den Konsequenzen des gescheiterten Aufstands seines Vaters leben. Seine bisherige Existenz wurde praktisch zerstört und gleichzeitig lastet auf ihm die Erwartung, die Ehre seiner Familie wiederherzustellen.
Rui hingegen wächst unter völlig anderen Umständen auf. Zu Beginn weiß sie selbst noch nicht, welche Bedeutung ihr eigener Weg haben wird und wie eng ihr Schicksal mit den größeren Ereignissen verbunden ist. Ich mochte es sehr, dass sich die beiden Figuren nicht einfach auf ihre jeweiligen Rollen reduzieren lassen. Beide haben ihre eigenen Unsicherheiten, Wünsche und Konflikte und entwickeln sich im Laufe der Geschichte spürbar weiter. Auch Kai, Sens Schwester, fand ich interessant, insbesondere durch ihre Rolle innerhalb der höfischen Machtstrukturen.
Überhaupt empfand ich die Figuren als eine der stärkeren Seiten des Buches. Ihre persönlichen Geschichten stehen nicht völlig im Schatten der großen politischen Handlung. Stattdessen bekommt man Einblicke in ihre Gedanken und Beweggründe und kann nachvollziehen, warum sie bestimmte Entscheidungen treffen. Dadurch wirken die Charaktere für mich deutlich greifbarer.
Beim Erzähltempo hatte ich dagegen etwas gemischte Gefühle. Der Roman nimmt sich sehr viel Zeit, um seine Welt und die Charaktere aufzubauen. Gerade der erste Teil ist deshalb eher ruhig und stark von Gedanken und persönlichen Entwicklungen geprägt. Für meinen Geschmack zog sich das stellenweise etwas und ich habe über längere Abschnitte keinen richtigen Sog entwickelt.
Später verändert sich das Tempo jedoch deutlich. Die Handlung wird dynamischer und insbesondere im letzten Abschnitt kommt wesentlich mehr Spannung auf. Die Kämpfe sorgen für ordentlich Bewegung und haben mich deutlich stärker gepackt als einige der ruhigeren Passagen zuvor. Das Finale war für mich deshalb auch einer der gelungensten Teile des Buches.
Sehr schön fand ich außerdem, wie die übernatürlichen Elemente eingebaut werden. Götter, Geister und Dämonen stehen nicht von Beginn an komplett im Mittelpunkt, sondern werden eher schrittweise wichtiger. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass sich im weiteren Verlauf noch viele Geheimnisse und Möglichkeiten auftun könnten. Gerade für einen Reihenauftakt finde ich diesen Ansatz spannend.
Sprachlich ist das Buch ebenfalls besonders. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und atmosphärisch und verleiht der Geschichte teilweise etwas Feierliches. Nicht jede Unterhaltung hat für mich vollkommen natürlich geklungen – manche Dialoge wirkten ein wenig künstlich –, insgesamt fand ich die Sprache aber wirklich gelungen. Vor allem wenn man bedenkt, dass es sich um ein Debüt handelt, ist die sprachliche Ausarbeitung bemerkenswert.
Die Inspiration durch japanische Geschichte und Mythologie ist deutlich erkennbar und grundsätzlich fand ich diesen Aspekt sehr interessant. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, dass die kulturelle Prägung noch stärker zum Tragen kommt. Die Welt ist zwar umfangreich und eigenständig, aber das Gefühl, mich tatsächlich in einer entsprechend japanisch geprägten historischen Umgebung zu befinden, hatte ich nicht durchgehend.
Allerdings ist das Worldbuilding gleichzeitig auch das, was den Einstieg nicht ganz einfach macht. Es gibt unzählige Namen, Familien und politische Verbindungen, die man zunächst sortieren muss. Ich hatte deshalb gerade am Anfang immer wieder das Gefühl, mich erst einmal zurechtfinden zu müssen. Auch die verschiedenen Perspektiven haben dazu beigetragen, dass ich nicht immer problemlos im Lesefluss geblieben bin.
Im Zentrum der Geschichte stehen unter anderem Sen und Rui. Obwohl beide mit Verlust, Erwartungen und ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen haben, könnten ihre Ausgangssituationen kaum unterschiedlicher sein. Sen stammt aus einem mächtigen Clan und muss mit den Konsequenzen des gescheiterten Aufstands seines Vaters leben. Seine bisherige Existenz wurde praktisch zerstört und gleichzeitig lastet auf ihm die Erwartung, die Ehre seiner Familie wiederherzustellen.
Rui hingegen wächst unter völlig anderen Umständen auf. Zu Beginn weiß sie selbst noch nicht, welche Bedeutung ihr eigener Weg haben wird und wie eng ihr Schicksal mit den größeren Ereignissen verbunden ist. Ich mochte es sehr, dass sich die beiden Figuren nicht einfach auf ihre jeweiligen Rollen reduzieren lassen. Beide haben ihre eigenen Unsicherheiten, Wünsche und Konflikte und entwickeln sich im Laufe der Geschichte spürbar weiter. Auch Kai, Sens Schwester, fand ich interessant, insbesondere durch ihre Rolle innerhalb der höfischen Machtstrukturen.
Überhaupt empfand ich die Figuren als eine der stärkeren Seiten des Buches. Ihre persönlichen Geschichten stehen nicht völlig im Schatten der großen politischen Handlung. Stattdessen bekommt man Einblicke in ihre Gedanken und Beweggründe und kann nachvollziehen, warum sie bestimmte Entscheidungen treffen. Dadurch wirken die Charaktere für mich deutlich greifbarer.
Beim Erzähltempo hatte ich dagegen etwas gemischte Gefühle. Der Roman nimmt sich sehr viel Zeit, um seine Welt und die Charaktere aufzubauen. Gerade der erste Teil ist deshalb eher ruhig und stark von Gedanken und persönlichen Entwicklungen geprägt. Für meinen Geschmack zog sich das stellenweise etwas und ich habe über längere Abschnitte keinen richtigen Sog entwickelt.
Später verändert sich das Tempo jedoch deutlich. Die Handlung wird dynamischer und insbesondere im letzten Abschnitt kommt wesentlich mehr Spannung auf. Die Kämpfe sorgen für ordentlich Bewegung und haben mich deutlich stärker gepackt als einige der ruhigeren Passagen zuvor. Das Finale war für mich deshalb auch einer der gelungensten Teile des Buches.
Sehr schön fand ich außerdem, wie die übernatürlichen Elemente eingebaut werden. Götter, Geister und Dämonen stehen nicht von Beginn an komplett im Mittelpunkt, sondern werden eher schrittweise wichtiger. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass sich im weiteren Verlauf noch viele Geheimnisse und Möglichkeiten auftun könnten. Gerade für einen Reihenauftakt finde ich diesen Ansatz spannend.
Sprachlich ist das Buch ebenfalls besonders. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und atmosphärisch und verleiht der Geschichte teilweise etwas Feierliches. Nicht jede Unterhaltung hat für mich vollkommen natürlich geklungen – manche Dialoge wirkten ein wenig künstlich –, insgesamt fand ich die Sprache aber wirklich gelungen. Vor allem wenn man bedenkt, dass es sich um ein Debüt handelt, ist die sprachliche Ausarbeitung bemerkenswert.
Die Inspiration durch japanische Geschichte und Mythologie ist deutlich erkennbar und grundsätzlich fand ich diesen Aspekt sehr interessant. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, dass die kulturelle Prägung noch stärker zum Tragen kommt. Die Welt ist zwar umfangreich und eigenständig, aber das Gefühl, mich tatsächlich in einer entsprechend japanisch geprägten historischen Umgebung zu befinden, hatte ich nicht durchgehend.