„Leben mag Leiden bedeuten“
„Leben mag Leiden bedeuten, aber beides ist vergänglich. Was tun wir also, solange wir hier sind? Welchen Weg wir wählen, liegt bei uns.“
🍂 „Das Buch der gefallenen Blätter“ hat viele Aspekte, und in jedem Licht erscheinen seine Nuancen anders gewichtet. Auf jeden Fall fühlt sich der Roman manchmal schwer verdaulich an, anstrengend, so als wollte ich einen steilen Anstieg meistern. Manchmal aber auch wie ein schillernd buntes Herbstblatt im Wind. Das Werk trägt sich durch seine Sprache - ich habe auf jeder Seite Sätze gefunden, die ein Zitat hätten werden können. Außerdem spielen politische Intrigen und Machtgedanken eine zentrale Rolle.
In der Nacht, in der die Rebellion seines Vaters scheitert, wird Sen, der junge Prinz eines Clans, ins Exil geschickt. Er wächst beim Kitanohara-Clan auf und lernt das Kriegerhandwerk an der Seite der Kitanohara-Söhne. Rui, ein Bauernmädchen, begeht einen folgenschweren Fehler, der sie und Sen gleichsam zusammenschweißt. Währenddessen lebt Kai, Sens ältere Schwester in der Hauptstadt und verstrickt sich tief in die Intrigen des Hofes. Yora, genannt der Poet, ist der Befehlshaber, der kaiserlichen Garde, und versucht, das richtige zu tun und das Reich zusammenzuhalten.
🔖„Ich habe Angst.“
Die zentrale Figur ist Sen Hoshikari, der Exilant, der zwischen dem Willen des Clans und seinem eigenen Verlangen nach Ehre und Bedeutung aufgerieben wird. Sen ist mit sich selbst nicht immer im Reinen und zweifelt oft an seinen Entscheidungen oder seinem Weg. Sein Straucheln muss man verkraften können. Mich hat er gerade dadurch berührt.
Rui, das Bauermädchen, das eine Gottheit beherbergt, ist stets an seiner Seite - gerade ihre gemeinsame Bühnenpräsenz habe ich immer sehr geschätzt. Den beiden bin ich auch am liebsten gefolgt. Mein Lieblings-Nebencharakter neben dem Poeten war übrigens Jobu, Krähenmönch, Krieger und Lehrer von Sen und Rui. Wenn er die Bühne betrat, konnte ich immer mit einer Weisheit rechnen.
Nun ist das Buch nicht darauf ausgelegt, das einen die Figuren vom ersten Satz an ins Herz springen. Ich, als Lesende, die mehr charakterfokusiert ist, hatte meine Startschwierigkeiten mit den vielen Figuren. Ich habe mich schließlich auf die Figuren konzentriert, die von Bedeutung waren. Die anderen sind im wabernden Nebel verschwunden. Ausnahmsweise war ich auch sehr dankbar für das Personenverzeichnis - ich habe so oft nachgeblättert und hatte so den Aha-Effekt.
Viel eher geht, und das empfand ich als das wichtigste, es im „Buch der gefallenen Blätter“ um politische Intrigen. Es wird immer wieder die Frage nach dem System von Ansehen, Reichtum und Gier, Recht, Unrecht und Vergeltung und dem Strudel, der daraus entsteht, aufgeworfen - dieser Unterton hat mich letztendlich gekriegt.
A.S. Tamaki schreibt nicht süffig. Das ist auch nicht sein Stil. Er hat eine Sprache gefunden, die zur einer Welt passt, die der Ehre und Pflichterfüllung unterworfen ist. Sie ist getragen und manchmal distanziert. Ich muss zugeben, dass mir der Zugang nicht immer leicht fiel - und mein Hirn vieles erst tiefgehend im Nachhinein verarbeitet hat. Sein Talent zeigt sich für mich, wenn er die kleinen Gegebenheiten, Momentaufnahmen, beschreibt - so voller Atmosphäre und Worte, die mich durch die Szene tragen, das ich Gänsehaut bekommen habe.
Die Fantasy-Elemente dieses asiatischen Epos zeigten sich nur im Kleinen. Durch Dämoninnen, die ihr ganz eigenes Katana in Fleisch versenkten und so die Geschicke des Landes veränderten. Ich hatte das Gefühl, sie waren oft das Zünglein an der Wage. Doch genaueres erfahren wir wohl erst im nächsten Band.
A.S. Tamaki hat mit „Das Buch der gefallenen Blätter“ ein asiatisches Epos mit fantastischen Elementen und einer getragenen, aber auch distanzierten Sprache erschaffen. Die zentrale Frage nach dem System von Recht, Unrecht und Vergeltung hat mir wiederum einen ganz anderen Zugang zum Buch gegeben. Die vielen Nebencharakter, deren Verbindungen sich immer wieder spinnennetzartig kreuzten, empfand ich wiederum als lesekräftezehrend. Ein guter Auftakt, der noch Luft nach oben lässt, auf dessen Fortsetzung ich jedoch sehr gespannt bin.
🍂 „Das Buch der gefallenen Blätter“ hat viele Aspekte, und in jedem Licht erscheinen seine Nuancen anders gewichtet. Auf jeden Fall fühlt sich der Roman manchmal schwer verdaulich an, anstrengend, so als wollte ich einen steilen Anstieg meistern. Manchmal aber auch wie ein schillernd buntes Herbstblatt im Wind. Das Werk trägt sich durch seine Sprache - ich habe auf jeder Seite Sätze gefunden, die ein Zitat hätten werden können. Außerdem spielen politische Intrigen und Machtgedanken eine zentrale Rolle.
In der Nacht, in der die Rebellion seines Vaters scheitert, wird Sen, der junge Prinz eines Clans, ins Exil geschickt. Er wächst beim Kitanohara-Clan auf und lernt das Kriegerhandwerk an der Seite der Kitanohara-Söhne. Rui, ein Bauernmädchen, begeht einen folgenschweren Fehler, der sie und Sen gleichsam zusammenschweißt. Währenddessen lebt Kai, Sens ältere Schwester in der Hauptstadt und verstrickt sich tief in die Intrigen des Hofes. Yora, genannt der Poet, ist der Befehlshaber, der kaiserlichen Garde, und versucht, das richtige zu tun und das Reich zusammenzuhalten.
🔖„Ich habe Angst.“
Die zentrale Figur ist Sen Hoshikari, der Exilant, der zwischen dem Willen des Clans und seinem eigenen Verlangen nach Ehre und Bedeutung aufgerieben wird. Sen ist mit sich selbst nicht immer im Reinen und zweifelt oft an seinen Entscheidungen oder seinem Weg. Sein Straucheln muss man verkraften können. Mich hat er gerade dadurch berührt.
Rui, das Bauermädchen, das eine Gottheit beherbergt, ist stets an seiner Seite - gerade ihre gemeinsame Bühnenpräsenz habe ich immer sehr geschätzt. Den beiden bin ich auch am liebsten gefolgt. Mein Lieblings-Nebencharakter neben dem Poeten war übrigens Jobu, Krähenmönch, Krieger und Lehrer von Sen und Rui. Wenn er die Bühne betrat, konnte ich immer mit einer Weisheit rechnen.
Nun ist das Buch nicht darauf ausgelegt, das einen die Figuren vom ersten Satz an ins Herz springen. Ich, als Lesende, die mehr charakterfokusiert ist, hatte meine Startschwierigkeiten mit den vielen Figuren. Ich habe mich schließlich auf die Figuren konzentriert, die von Bedeutung waren. Die anderen sind im wabernden Nebel verschwunden. Ausnahmsweise war ich auch sehr dankbar für das Personenverzeichnis - ich habe so oft nachgeblättert und hatte so den Aha-Effekt.
Viel eher geht, und das empfand ich als das wichtigste, es im „Buch der gefallenen Blätter“ um politische Intrigen. Es wird immer wieder die Frage nach dem System von Ansehen, Reichtum und Gier, Recht, Unrecht und Vergeltung und dem Strudel, der daraus entsteht, aufgeworfen - dieser Unterton hat mich letztendlich gekriegt.
A.S. Tamaki schreibt nicht süffig. Das ist auch nicht sein Stil. Er hat eine Sprache gefunden, die zur einer Welt passt, die der Ehre und Pflichterfüllung unterworfen ist. Sie ist getragen und manchmal distanziert. Ich muss zugeben, dass mir der Zugang nicht immer leicht fiel - und mein Hirn vieles erst tiefgehend im Nachhinein verarbeitet hat. Sein Talent zeigt sich für mich, wenn er die kleinen Gegebenheiten, Momentaufnahmen, beschreibt - so voller Atmosphäre und Worte, die mich durch die Szene tragen, das ich Gänsehaut bekommen habe.
Die Fantasy-Elemente dieses asiatischen Epos zeigten sich nur im Kleinen. Durch Dämoninnen, die ihr ganz eigenes Katana in Fleisch versenkten und so die Geschicke des Landes veränderten. Ich hatte das Gefühl, sie waren oft das Zünglein an der Wage. Doch genaueres erfahren wir wohl erst im nächsten Band.
A.S. Tamaki hat mit „Das Buch der gefallenen Blätter“ ein asiatisches Epos mit fantastischen Elementen und einer getragenen, aber auch distanzierten Sprache erschaffen. Die zentrale Frage nach dem System von Recht, Unrecht und Vergeltung hat mir wiederum einen ganz anderen Zugang zum Buch gegeben. Die vielen Nebencharakter, deren Verbindungen sich immer wieder spinnennetzartig kreuzten, empfand ich wiederum als lesekräftezehrend. Ein guter Auftakt, der noch Luft nach oben lässt, auf dessen Fortsetzung ich jedoch sehr gespannt bin.