Alles ist irgendwie seltsam vertraut
Manchmal liest man sich fest, einfach weil eine Geschichte spannend geschrieben ist – und merkt dann irgendwann, dass einem alles seltsam vertraut vorkommt. Ein Mädchen, das allein mit seinem Vater lebt, dieser ist – natürlich – Uhrmacher in Nürnberg. Dazu eine gute Portion 1938, ein paar Geheimgänge und etwas rätselhafte Physik der Zeit, vermischt mit einer Prise Magie. Klingt bekannt? Vielleicht. Und doch gelingt es Hayley Gelfuso, aus diesen vertrauten Zutaten ein neues, eigenwilliges Gebilde zu formen.
In Das Buch der verlorenen Stunden entwirft sie eine Welt, in der Erinnerung nicht nur Gefühl, sondern greifbare Materie ist. Lisavet, die Tochter des Uhrmachers, wird von ihrem Vater in einer geheimen Bibliothek verborgen – einem Ort außerhalb der Zeit, an dem menschliche Erinnerungen in Büchern archiviert werden. Nur wenige Auserwählte, die sogenannten Zeithüter, entscheiden darüber, was bleibt und was ausgelöscht wird.
Dieser Gedanke allein trägt viel Faszination: Erinnerung als etwas, das geschützt, verwaltet – ja, sogar manipuliert werden kann. Hier zeigt Gelfuso ihre Stärke. Sie spielt mit der Idee von Geschichte und Wahrheit, von Macht über Wissen und Vergessen. Die Szene, in der ein Zeithüter eiskalt das Buch eines alten Mannes verbrennt, gehört zu den eindrucksvollsten Momenten: ein kurzer, leiser, aber erschütternder Augenblick, der das ganze Machtgefüge dieser Welt begreifbar macht.
Der Roman bewegt sich zwischen historischen Kulissen – 1938 und 1965 – und einer mystischen Zwischenzeit, die jeder Chronologie entzogen ist. Diese Zeitebenen verweben sich zu einer Geschichte, die immer wieder in Bewegung bleibt, getragen von einer Mischung aus philosophischer Tiefe und emotionaler Spannung.
Auch wenn die Grundmotive bekannt wirken, gelingt es Gelfuso, sie mit einer eigentümlichen Atmosphäre zu beleben. Ihr Schreibstil ist bildhaft, fast poetisch, ohne zu überladen zu sein. Das Buch der verlorenen Stunden liest sich dadurch wie ein literarischer Balanceakt zwischen Historie, Metaphysik und Gefühl – vertraut und doch neu genug, um einen festzuhalten, bis die Stunden wirklich verloren sind.
In Das Buch der verlorenen Stunden entwirft sie eine Welt, in der Erinnerung nicht nur Gefühl, sondern greifbare Materie ist. Lisavet, die Tochter des Uhrmachers, wird von ihrem Vater in einer geheimen Bibliothek verborgen – einem Ort außerhalb der Zeit, an dem menschliche Erinnerungen in Büchern archiviert werden. Nur wenige Auserwählte, die sogenannten Zeithüter, entscheiden darüber, was bleibt und was ausgelöscht wird.
Dieser Gedanke allein trägt viel Faszination: Erinnerung als etwas, das geschützt, verwaltet – ja, sogar manipuliert werden kann. Hier zeigt Gelfuso ihre Stärke. Sie spielt mit der Idee von Geschichte und Wahrheit, von Macht über Wissen und Vergessen. Die Szene, in der ein Zeithüter eiskalt das Buch eines alten Mannes verbrennt, gehört zu den eindrucksvollsten Momenten: ein kurzer, leiser, aber erschütternder Augenblick, der das ganze Machtgefüge dieser Welt begreifbar macht.
Der Roman bewegt sich zwischen historischen Kulissen – 1938 und 1965 – und einer mystischen Zwischenzeit, die jeder Chronologie entzogen ist. Diese Zeitebenen verweben sich zu einer Geschichte, die immer wieder in Bewegung bleibt, getragen von einer Mischung aus philosophischer Tiefe und emotionaler Spannung.
Auch wenn die Grundmotive bekannt wirken, gelingt es Gelfuso, sie mit einer eigentümlichen Atmosphäre zu beleben. Ihr Schreibstil ist bildhaft, fast poetisch, ohne zu überladen zu sein. Das Buch der verlorenen Stunden liest sich dadurch wie ein literarischer Balanceakt zwischen Historie, Metaphysik und Gefühl – vertraut und doch neu genug, um einen festzuhalten, bis die Stunden wirklich verloren sind.