Magisch, melancholisch, gelungen

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ceecee Avatar

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"Das Buch der verlorenen Stunden" ist Hailey Gelfusos Debütroman und kann sich als solcher echt sehen lassen! Das Grundkonzept erinnert ein bisschen an die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig, aber die Story ist eine komplett andere. In zwei Zeitsträngen verfolgt man die Geschichten von Lisavet und Amelia.

Schon das Cover hat mich angesprochen: die gezeichnete Bibliothek, die gedeckten Farben, insgesamt eine leicht düstere, aber gleichzeitig stimmungsvolle Gestaltung, die perfekt zur Atmosphäre des Romans passt. Man hat direkt dieses Gefühl von Staub, altem Papier und etwas Magischem, das sich zwischen den Regalen verbirgt.

Die Grundidee des Buches: eine Bibliothek außerhalb von Raum und Zeit, in der alle Erinnerungen der Menschheit in Büchern festgehalten werden – und Zeithüter, die darüber entscheiden, was bewahrt und was ausgelöscht wird. Das ist nicht nur ein spannendes Fantasy-Konzept, sondern wirft auch ganz nebenbei philosophische Fragen auf: Wer entscheidet, was erinnerungswürdig ist? Was passiert, wenn ganze Kapitel der Vergangenheit gestrichen werden und das Narrativ der Weltgeschichte verändert wird?

Zu den beiden Erzählsträngen möchte ich nicht zu viel verraten. Aber insgesamt hat mir der Wechsel zwischen den beiden Perspektiven gut gefallen; er sorgt dafür, dass man dranbleiben möchte und sich Stück für Stück ein größeres Bild ergibt. Der Schreibstil ist atmosphärisch und bildhaft, aber gleichzeitig gut lesbar. Gelfuso trifft genau den richtigen Ton zwischen poetisch und klar.

Einige Wendungen/Enthüllungen waren, finde ich, relativ früh absehbar. Nichtsdestotrotz hatte ich dieses „Ich ahne, was kommt, aber ich will trotzdem wissen, wie wir dort ankommen“-Gefühl, weshalb das Lesevergnügen dadurch nicht zu sehr an Spannung eingebüßt hat.

Und auch wenn man nicht zu viel über die innere Logik des Magie-Erinnerung-Zeit-Systems nachdenken sollte, hat sich die Geschichte für mich insgesamt rund angefühlt. Ein schöner Fantasy-Roman mit süßer, in ihn eingewebter Liebesgeschichte, der durchaus für sich stehen kann. 4,5 Sterne auf 5 Sterne aufgerundet.